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Jetzt wird es stationär – Einige Tipps fürs Krankenhaus

(aktualisiert am 19. Februar 2020 – Ursprungstext vom 13. August 2019)

Neue Aspekte: Essen im Krankenhaus und Medikamente bei der Entlassung, Zuzahlungsbefreiung und Krankenkassen-App für die Einreichung der Krankschreibung, Anleitung fürs Arztgespräch

Wenn man eine Reise macht, gibt es viel zu beachten und zu planen. Das kennt man ja. Im Grunde ist es mit einem Krankenhausaufenthalt ähnlich. Nur mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass die Reise selten geplant war und man sich auch nicht besonders drauf freut. Genaugenommen hätte man sie sich sehr gerne erspart.

Letztlich geht es in beiden Fällen an einen bisher unbekannten Ort und darauf sollte man sich so gut wie eben möglich vorbereiten. Das macht so manches erträglicher. Denn natürlich hat jeder, der sich diesem Trip stellen muss, eine große Portion Angst im Gepäck. Um die nicht zu groß werden zu lassen, hilft es, ein paar essentielle Dinge mitzunehmen, die einem vertraut sind. Deine ganz persönlichen „Wohlfühldinge“.

Hier eine kleine Auswahl:

  • Eine Tagesdecke – die man tagsüber über die Krankenhausbettwäsche legen kann. Bringt Geborgenheit und eine wohligere Atmosphäre ins triste Krankenhausweiß
  • Ein Kopf(kuschel)kissen – die Krankenhauskissen sind meist nicht besonders bequem
  • Nicht lachen, aber eine Schlafmaske gehört auch auf diese Liste, sie erleichtert das Einschlafen und ist dazu noch ein kleiner Schutz vor der Außenwelt. Ich finde sie unglaublich nützlich.
  • Ein Bild von den Liebsten
  • Einen Glücksbringer
  • Lieblingskekse oder Knabbereien – Essen im Krankenhaus ist sowieso ein heikles Thema. Denn im Krankenhaus ist das meist grenzwertig, Ausnahmen bestätigen leider nur die Regel. Das haben inzwischen auch die Medien realisiert und im Januar 2020 zahlreiche Beiträge dazu gebracht. Der Artikel im  Ärzteblatt vom 14. Januar 2020 fast das sehr gut zusammen. Das unterstreicht nur das, was auch ich leidvoll erfahren musste: Bei den aufgetischen Mahlzeiten, vergeht wirklich jedem der Appetit. Von Ausgewogenheit kann erst gar keine Rede sein. Daher mein Appell an euch: „Versorgt euch so gut es geht selbst!“ Auf der Station gibt es oft eine Mikrowelle, da kann man sich Mitgebrachtes gut aufwärmen. Besonders geeignet dafür sind Suppen. Manchmal gibt es auch kleine Kühlschränke (die Betonung liegt auf klein!). Diese sind besonders kostbar. Ich hatte einmal eine sehr liebe polnische Mitpatientin im Zimmer, die ihre Knoblauchwurst dort gelagert hatte. Bei jeder Kühlschranköffnung wehte ein intensiver Knoblauchduft durchs Zimmer. Selbst mein Joghurt hatte eine zarte Knoblauchnote. Wer es mag.
  • Frisches Obst – Smoothies – hartgekochte Eier (gibt es im Krankenhaus grundsätzlich nicht wegen der Salmonellengefahr) – Joghurt – abwechslungsreiche Getränke (das krankenhauseigene Wasser kann man irgendwann nicht mehr sehen) – eigenen Lieblingstee – Kaffee (löslich), der von der Station schmeckt meist so la la – leckeres Brot (das hauseigene Brot kommt meist aus der Kühlung und klebt am Gaumen wie Beton).
  •  Gute Musik inklusive Earphones/Kopfhörer(!) Anmerkung: Die Kopfhörer haben eine ganz wichtige Zusatzfunktion. Denn sie signalisieren: Ich möchte meine Ruhe, ich bin dann mal weg in meiner Welt. Bitte nicht stören. Gut sind daher auch zwei Modelle: ein sichtbares mit Bügel und ein unsichtbares – zum Schlafen. Ich habe die auch oft aufgesetzt, wenn die Visite zu meiner Bettnachbarin ging und dann ihren Fall aufrollte. Das wollte ich nicht immer hören. Ohnehin: Wenn man kann und es einem zu viel wird, geht man eh besser während der Visite bei der Bettnachbarin raus aus dem Krankenzimmer.
  •  Wenn man ihn hat, den eigenen Laptop (meist gibt es leider kein W-LAN – hat sich auf meiner Station inzwischen Gott sei Dank geändert. Heureka!! – in den Krankenhäusern, daher Datenvolumen upgraden/dazukaufen).
  • Lange Verlängerungskabel für den Akku sind Gold wert! Apropos: Am Tag der Entlassung checken, ob das Aufladekabel auch wieder mit im Gepäck ist. Diese Teil bleiben – im Gegensatz zu den Patienten – zu gerne im Krankenhaus.
  • Bücher – Podcasts – Hörspiele
  • Wer gerne kreativ ist, denkt vielleicht an Malutensilien – Mandalas waren bei uns sehr beliebt – oder Strickzeug oder macht endlich mal sein schon lang geplantes Fotobuch fertig …
  • Ein Pyjama oder eigenes Nachthemd. Bitte nicht die Krankenhausnachthemden nehmen. Nur im Notfall. Da fühlt man sich gleich doppelt krank.
  • Etwas Schminke – hebt die Stimmung und man wird auch anders wahrgenommen, wenn man es nicht übertreibt. Schmunzel.
  • Badelatschen und Hausschuhe bzw. Schuhe, in die man schnell reinschlupfen kann
  • Keinen Schmuck oder andere Wertsachen! Diese Dinge werden gerne gestohlen.
  • Einen warmen Wohlfühlpulli und oder eine Kuscheljacke, warme Socken (für Frostbeulen)
  • Wenn die Haare bereits ausgefallen sind, empfiehlt sich eine dünne Schlafmütze. Der Kopf schwitzt nachts besonders stark und ist sehr temperatursensibel.

„Stand-by-Tasche/-Koffer“

Für überraschende Aufenthalte ist es auch hilfreich eine(n) kleine(n) „Stand-by-Tasche/-Koffer“ für die nötigsten Dinge zu packen, damit ihr oder eure Lieben sich diese spontan greifen können, ohne viel zu überlegen. Nicht fehlen sollten hier: zwei Mal Unterwäsche, ein Nachthemd, eine kleine gefüllte Kulturtasche, Kopfhörer und Badelatschen.

Die Zimmerhygiene

Damit meine ich jetzt nicht die Sauberkeit im Zimmer selbst – das sollte selbstverständlich sein -, sondern die Schwingungen unter den Zimmergenossen. Schließlich ist es manchmal auch so, dass sich Menschen im Krankenzimmer nicht gut verstehen oder sich einfach nicht gut tun. Sollte dies der Fall sein, bitte nicht aushalten, sondern bei der/dem Patientenmager(in)/Leitung melden. Die finden meist eine Lösung. Denn natürlich möchtet ihr gesund werden, ein übellauniger Bettnachbar ist dabei wenig hilfreich. Ich bin damit jedenfalls immer auf offene Ohren gestoßen. Danke, liebe Anita! 

Es gibt natürlich auch wunderbare Begegnungen und sogar Freundschaften, die sich aus diesem unfreiwilligen Aufenthalt ergeben. Ich weiß von Zimmergenossen, die gleich von Anfang an jeden Zyklus zeitlich zusammengelegt haben, weil sie sich so prima verstanden haben. Auch das kann man managen. Traut euch einfach, diese Möglichkeit anzusprechen.

Sauber, sauber!

Und dann doch noch etwas zur „normalen Hygiene“: Ich weiß nicht, was sich Menschen – in dem Fall Besucher – dabei denken, die Patiententoilette zu benutzen. Diese ist nur – ich betone: nur – für die Patienten da, für den „Rest der Welt“ gibt es (fußläufig erreichbare) Besuchertoiletten. Kommt euch nicht komisch vor und bittet Besucher, die im Sturzflug zu „eurer Tür“ eilen, doch bitte die Besuchertoilette zu nehmen. Lest dazu gerne auch mal in meinen Beitrag „Keime, Bakterien und Kampf mit der unsichtbaren Gefahr„.

Die Anmeldung

Vorher auf der Station anrufen! Nach meiner Erfahrung ist es auch immer sinnvoll, einen Tag vorher auf der Station anzurufen und sich das Bett bestätigen zu lassen. Denn es kommt leider öfter vor, dass Therapien von anderen Patienten länger dauern als geplant und dann das ursprünglich für dich reservierte Bett belegt ist. Ich musste mindestens zwei Mal unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren, weil es kein Bett für mich gab. Das hat alle Beteiligten – vor allem die Kinder, die ohnehin genug damit zu tun hatten, wenn Mama mal wieder ins Krankenhaus musste – ungemein gestresst. Diese Erfahrung würde ich dir gerne ersparen.

Daher: Einen Tag vorher anrufen. Am besten um ca. 14 Uhr. Da sind die Visiten durch – ebenso das Mittagessen (auch für das Pflegepersonal) –  und die Stationsleitung/Patientenmanagerin plant die Belegung für den nächsten Tag.

Beim Telefonat fragen, ob und welche Zimmernummer für dich vergeben wurde. Dann kannst du sicher sein, dass du wirklich auf der Belegungsliste stehst.

Zur Anmeldung immer die Versicherungskarte, die Einweisung des behandelnden Hausarztes oder vom niedergelassenen Onkologen sowie deinen Personalausweis mitbringen. Auf der Station selbst benötigst du den aktuellen Arztbrief (wenn vorhanden) und die Medikamentenliste.

Vorbereitung fürs Arztgespräch: Fragen stellen mit Anleitung

Ich habe in meinen Blogbeiträgen immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig das konkrete Nachfragen bei den Ärztinnen und Ärzten ist. Nun habe ich bei der Recherche im Netz dazu eine interessante Seite gefunden, die praktische Fragenkataloge für Patienten und deren Erkrankungen zusammengestellt hat. Jeder Krebserkrankung liegt danach ein differenziertes Fragenschema zu Grunde. Aber schaut selbst

Die Entlassung

Zur Entlassung solltest du den aktuellen Arztbrief inklusive Medikamentenliste mitnehmen und vor allem, soweit dich niemand abholen kann, einen Tag (mindestens) vorher eine Transportgenehmigung in die Wege leiten. Dies erledigt meist die/der Patientenmanager(in) für dich. Die oder der faxt die Anforderung an deine Krankenkasse, die dann wiederum eine Genehmigung an das Krankenhaus zurück faxt.

Ein wichtiger Punkt sind auch die Medikamente, die du bei der Entlassung mitbekommst, beziehungsweise leider nicht mehr. Neuerdings können auch die Krankenhäuser Rezepte ausstellen: Das erspart dir wenigstens den Weg zum niedergelassenen Arzt, nicht aber in die Apotheke. Wenn deine Haus-Apotheke auf zack ist, gibt es dafür auch sehr nützliche Bestell-Apps fürs Smartphone. Einfach Apotheke auswählen, Rezept einscannen und abschicken. Und bitte lasst euch die Medikamente liefern. Die ApothekerInnen verdienen gutes Geld mit Krebspatienten. Diese Serviceleistung sollte ihnen der Kunde wert sein.

Wichtig zu wissen ist auch, das es sich bei der Packungsgröße meist nur um eine kleine N1 handelt. Wer vermeiden möchte, dass er gleich danach wieder für ein Rezept bezahlen muss, geht besser direkt zum Hausarzt und lässt sich mindestens eine N2(geht bis N3) verschreiben, oder vereinbart mit der Apotheke, dass sie euch gleich die größere Packung aushändigen sollen. Das Rezept liefert ihr nach. Hat bei mir immer funktioniert. Wie gesagt, ihr seid wichtige – leider meist auch – Stammkunden!

Zum Thema Medikamente fallen mir noch die Befreiung von den Zuzahlungen ein. Diese bekommst du, wenn du dir durch den Arzt – am besten gleich nach der Diagnose und dann immer zum Jahresbeginn – eine sogenannte chronische Erkrankung bescheinigen lässt und diese bei der Krankenkasse einreichst. Besonders aufschlussreich und auf den Punkt ist diese Zusammenfassung der Verbraucherzentrale. Einfach hier klicken.

Kleine Ergänzung zu diesem Punkt: Bei der Entlassung aus der Notaufnahme bekommt ihr auch Rezepte, diese sind aber ausschließlich Privatrezepte. Wenn ihr gesetzlich versichert seid, gleich in die Wege leiten – oder auch erst mal in der Verhandlung mit „eurer“ Apotheke des Vertrauens ankündigen – das diese in ein Kassenrezept durch euren „Behandler“ umgeschrieben werden. Denn die Preise für Privatrezepte können einem wirklich den Atem rauben. Könnt ihr überhaupt nicht gebrauchen!

Die Krankschreibung

Seit 2018 besteht auch die Möglichkeit, sich von den Krankenhausärzten krankschreiben zu lassen. Das erleichtert vieles. Denn meist ist man bei der Entlassung sehr geschwächt und schafft es am nächsten Tag nicht gleich zum niedergelassenen Arzt. Neuerdings dürfen sogar drei Tage bis zum Anschlussarztbesuch vergehen. Vorsichtshalber würde ich mir das aber vorher schriftlich von der Krankenkasse bestätigen lassen.

Die lückenlose Dokumentation des Krankenstandes ist, soweit man nicht in Rente ist, immens wichtig. Denn sollte der Anschluss verpasst werden, werden dir die Zahlungen gekürzt oder – im schlimmsten Fall – sogar eingestellt. Außerdem muss natürlich die Bescheinigung auch an den Arbeitgeber gesendet werden. Neuerdings können diese auch digital über eine Smartphone-App an die Krankenkasse geschickt werden (die Meldefrist beträgt eine Woche!). Bitte einfach bei eurer Kasse anfragen, ob sie diese App anbietet. Außerdem muss natürlich die Bescheinigung auch an den Arbeitgeber gesendet werden.

Wenn du noch nicht in Rente bist, ist auch eine Liegebescheinigung für deinen Arbeitgeber ganz sinnvoll. Dies gilt natürlich auch im Zweifel für die Krankenkasse, wenn es Probleme geben sollte. Dann hast du immer einen Beleg in petto.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Wenn Ihr etwas hinzufügen möchtet, schreibt mir bitte, ich ergänze die Listen und Empfehlungen gerne. Nutzt dafür einfach das Kommentarfeld unter diesem Beitrag. Merci.

 

2 Gedanken zu „Jetzt wird es stationär – Einige Tipps fürs Krankenhaus

    1. Liebe Suse,
      ich weiß Deine Freundschaft als großen, großen Schatz zu schätzen. Vieles ist durch dich leichter gewesen. Danke! Merci, mon cher!
      Aber das weißt du ja schon längst 😉

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