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7 plus 7 Tipps und Techniken für mehr Schlagfertigkeit von KrebspatientInnen

Mach dich fit gegen unverschämte Übergriffe


Meine wichtigste Botschaft vorab:

Schlagfertigkeit ist mehr als eine Technik, sie ist eine Lebenseinstellung.

Es gibt so viele Schlagfertigkeitstechniken, einige davon stelle ich dir gleich vor. Im Grunde ist das alles keine Zauberei. Du wirst sehen.

Jede Technik ist allerdings nur so gut, wie du sie mit Leben füllst.
Und dabei darf eine Zutat nicht fehlen:

MUT.

Wenn du jetzt denkst, genau das ist ja mein Problem, kommt hier die gute Nachricht – wie du weißt, hat alles immer zwei Seiten.

Die Nachricht für dich lautet: Krebs ist ein Katalysator fürs Mutigsein.

Was bringt mir Schlagfertigkeit eigentlich?

Schlagfertigkeit bringt dir Respekt ein und macht dich stärker. Das ist so einfach wie logisch.

Dazu kommt, dass du die Kontrolle zurückgewinnst, in dem du Grenzen setzt und damit dein Selbstwertgefühl steigerst.

Das sind alles wichtige Komponenten, um leichter durch die Krankheit zu kommen.

Wie du sicher weißt, schütten wir, wenn wir uns ärgern oder auch Ängste haben, Cortisol aus, was wiederum dazu führt, dass wir unsere Organe schwächen, sogar schädigen, weil wir sie vergiften.

Beleidigte Reaktionen helfen nicht weiter.

Versuche das Ganze mit Humor beziehungsweise wie ein Spiel zu nehmen. Das ist die Empfehlung, die ich dir aus eigener Erfahrung geben kann.

Später ist zu spät.

„Oh, das nächste Mal, sage ich dem aber, was ich von ihm halte.“

Blöd nur, dass es meist kein nächstes Mal gibt.

Der Zug ist abgefahren, raus aus der Halle.

Adieu. Bye, bye. Auf Wiedersehen.

Das schlechte Gefühl der Unterlegenheit, des „Verletztseins“ aber bleibt und hängt in deinen Klamotten.

Später ist zu spät.

In drei Sekunden entscheidet es sich, ob die Verletzung sitzt oder ob du sie abschüttelst und lieber den anderen dumm dastehen lässt.

„Du, ich rufe dich an, wenn mir was einfällt.“ funktioniert meist nicht.

Besser vielleicht: „Du, wenn ich ganz viel Zeit übrig habe, gebe ich dir eine Antwort auf deine unverschämte Frage/Aussage – aber ich glaube nicht.“

Der Konter lebt von der Überraschung. Das Tempo ist entscheidend.

Und: Immunisiere dich gegen unverschämte Angriffe!


Jetzt kommen die ersten 7 Aufwärmtipps :

  1. Nicht unter Druck setzen lassen. Kurz überlegen: Passt mir der Schuh?

  2. Die Situation lesen. Die meisten Angriffe kommen nicht überraschend.

  3. Nicht provozieren lassen. Gelassenheit hilft mehr.

  4. Trau dich, sag etwas. Du musst keinen Pulitzer Preis für den perfekten Inhalt gewinnen. Was immer passt: „Ist das alles was dir/Ihnen dazu einfällt? Abgang mit einer wegwischenden Geste oder einfach nur Stirnrunzeln, wahlweise tiefes Ausatmen.
    Keinesfalls gucken wie doof. Das unbedingt vermeiden. Auch nonverbale Reaktionen können Wirkung zeigen: wie ein Backenaufpusten, ein langes „pffffff“ oder eben eine wegwerfende Geste.

  5. Den Wortschatz erweitern, ein Archiv anlegen. Meist sind es ja Stereotype derer wir uns erwehren müssen.
    Frage dich: Was hat gut funktioniert? Wie könnte ich es treffender sagen?

    BEISPIEL
    Anhand eines Satzes, den wir alle schon in den verschiedensten Spielarten gehört haben, zeige ich dir, welche Antwortmöglichkeiten dir offen stehen, die du eventuell in dein Archiv aufnehmen kannst:

    Der Satz lautet: „Die Mutter meiner Freundin hatte das auch und ist jetzt tot.“

    Mögliche Antworten könnten sein:

    „Oh, echt, dann überleg ich noch, ob ich diesen Krebs weiterempfehlen kann.“
    – „Ach Mist, und ich dachte, das wäre ein Schnüpfchen.“
    – „Solche Sätze habe ich mich auch mal sagen hören und festgestellt, dass das sehr unsensibel war.“
    – „Merken Sie nicht, wie überheblich sich das anhört.“
    – „Hörst du dir eigentlich zwischendrin auch mal selbst zu?“
    – „Und, inwiefern hilft mir das jetzt?“
    – „Zeig mir den Bus, in dem die Menschen sitzen, die das was du gerade gesagt hast, interessiert.“
    – „Wenn das als Aufmunterung gedacht war, ist das reichlich schiefgegangen.“
    – „Ich danke dir sehr für dein extrem gutes Einfühlungsvermögen.
    Du kannst gerne zu meiner Beerdigung ein paar passende Worte sagen.“
    – „Hast du noch mehr hilfreiche Geschichten auf Lager? Wenn ja, kürze ich unsere Unterhaltung genau hier ab.“ Mit diesem Worten verlässt du einfach die Szene.


    -> Suche dir etwas aus oder kreiere eine eigene Antwort.

  6. Deine Köperhaltung sollte möglichst aufrecht sein, wahre den direkten Blickkontakt. Das signalisiert, dass du dich nicht einschüchtern lässt.

  7. Weiter entwickeln und besser werden.

Ziel sollte es sein, den Absender der Gemeinheiten bloßzustellen, ihn mit seinen Frechheiten zu isolieren. 

Wer darf in deinem „Lebensbus“ mitfahren?

Meine Tipps beziehen sich ausschließlich auf die Menschen, die es auf Verletzungen angelegt haben, die wir nicht oder nicht mehr zu unserem „inner circle“ zählen.

Die anderen dürfen sich – wie ich es gern nenne – auch mal verlaufen.

Aber das sind ohnehin nur wenige.

Ich erlaube nur einer Handvoll Menschen, sich unsensibel zu äußern.

Meist klärt sich das Missverständnis (denn oft ist es nicht mehr) schnell auf.

Meine Großmutter sagte mal: „Überlege dir, für wen du gerne aufräumst, Nur diese Menschen tun dir gut.“
 
Oder wie vor kurzem in einem Interview eine Moderatorin sagte: „Wenn ich nach dem Treffen noch ein Lächeln auf den Lippen habe, dann lohnt es sich in Verbindung zu bleiben.

Ist es aber ein „Kompromissgefühl“ – und das nicht nur einmal – dann sollten sich die Wege trennen.“

Tja, oder wie ich sage, du ärgerst dich gleich drei Mal:
Einmal vor dem Treffen, währenddessen und danach – willst du das?

Auch ein Ansatz, den ich kürzlich aufschnappte:
„Manche Menschen bitte ich ganz offen, meinen Lebensbus zu verlassen. Für die endet die Reise mit mir an der nächsten Haltestelle oder ich ziehe gleich die Notbremse.“

Vor kurzem kreuzte dazu ein sehr passendes Zitat meinen Weg:

„Räume den Menschen in deinem Leben keine Priorität ein, für die

du nur eine Option bist.“ (Danke, liebe Bettina)

Fazit: Techniken sind das eine, entscheidend ist deine Einstellung.

Wem gestehe ich zu, mir wertvolle Lebenszeit durchs „Drüber ärgern“ zu stehlen.

Das dürfen – wie erwähnt – nur ganz wenige Menschen.
Die anderen sind raus.

Die 7 Antworttechniken für dich:


1. Rückfragetechnik

Diese Taktik ist im Grunde immer anwendbar, weil sie sehr simpel funktioniert. Du spielst damit den Ball elegant zurück ins Feld des anderen. Jetzt muss der reagieren und du lehnst dich zurück.

Aussage:
„Der Onkel meiner Freundin hatte das auch und ist dran gestorben.“

Konter:
„Das tut mir leid. Aber hilf mir mal, wo ist jetzt die Parallele zu mir?“

2. Umkehrtechnik

Mit dieser Technik drehst du den Spieß um und den Absender bloß. Doch Vorsicht, Freunde machst du dir damit weniger.

Sollte der Absender aber sowieso auf der Abschussliste stehen, ist dieses Mittel sehr geeignet, um ihm das zu verdeutlichen.

Du greifst dir das gemeine Wort heraus und drehst die Aussage um. Das Muster sieht dann so aus:


„Wenn xyz für Sie bedeutet, dass … positive Ergänzung … dann haben Sie recht.“

Angriff inklusive Etikettierungsversuch:

„Krebspatienten sind ja überhaupt nicht mehr belastbar.“

Konter:
„Wenn Sie meinen, dass durch die Hölle gehen und wieder aufstehen ein Indiz für mangelnde Belastbarkeit ist, dann haben sie vermutlich recht.

3. Zustimmungstechnik

Anstatt die Verteidigungsposition einzunehmen, gehst du – Überraschung, Überraschung – in die Zustimmungshaltung über. Dein Vorteil: Verblüffung. Der Angriff läuft ins Leere.

Angriff:
„Wahrscheinlich hattest du auch einfach zu viel Stress.“

Konter:
„Ja, das stimmt, wie du und wahrscheinlich mindestens 99 % der Bevölkerung auch.“

„Danke für deine Ursachenforschung. Ich hoffe, dein Stress hält sich in Grenzen.“

4. Komplimenttechnik

Damit signalisierst du Erhabenheit und schlägst dein Gegenüber mit feiner Ironie.

Aussage:
„Du, mir hilft ja Meditation echt gut.“

Konter:
„Ein toller Tipp. Darf ich mir den notieren? Ich hätte dir übrigens gar nicht zugetraut, dass du meditierst.“

5. Übersetzungstechnik

Damit übersetzt du die Aussage und bringst sie auf eine andere Ebene, die vom Absender sicher nicht gewollt war.

Angriff:
„Du hattest doch auch immer nur deine Karriere im Blick. Jetzt musst du mal andere Prioritäten setzen lernen.“

Konter:
„Du meinst, dass ich bisher erfolgreicher war als du? Stimmt.
Mein Erfolg ist für mich übrigens auch ein Beweis dafür, dass ich diese Lebenskrise meistern werde.“

Oder du sagst: „Guter Tipp: Damit fange ich gleich jetzt und hier an. Tschüss.“

6. Ausweichtaktik

Nicht auf den Inhalt der Äußerung eingehen und den Absender damit isolieren.

Angriff:
„Ich weiß nicht, ob du unbedingt eine Chemotherapie machen solltest, das ist doch gefährlich und hat so viele Nebenwirkungen, habe ich gehört.“

Konter:
„Ich halte mich da lieber an die Profis, an meine Ärzte und die Wissenschaft, oder hast du Medizin studiert?“

„Welchen Therapieansatz würdest du denn empfehlen? Wegbeten? Globuli schlucken? Oder einfach abwarten?“

7. Kunstpausentechnik

Kunstpausen setzen. Einfach aus der Spirale aussteigen.

Schweigen und dabei tief in die Augen schauen.

Dadurch wird die Unverschämtheit der Bemerkung sichtbarer und mutiert zu einer Niedertracht.

Sehr geeignet, wenn mehrere Personen anwesend sind.

Du signalisierst: Auf so ein Niveau begebe ich mich nicht. Das zeigt Größe. Der andere hat sich selbst disqualifiziert. Wichtig ist hier, dass du das mit einer Geste oder ähnlichem verbindest (siehe oben beim Warm-up, Nr. 4).

Allgemeine Formulierungen:

Diese allgemeinen Formulierungen kannst du ebenfalls in dein Archiv aufnehmen, wie zum Beispiel:

„Das ist ihre Version. Tatsache ist, dass …“

Oder du fragst einfach nach:

„Wie meinen Sie das?“
„Ich habe Sie nicht verstanden.“
„Hast du das tatsächlich so gemeint, wie ich es verstanden habe?“
„Warum sagst du das?“

Oder einfach nur feststellen: „Stimmt.“

Eine richtig heftige Frage habe ich mal so retourniert:

Aussage: „Sterben nicht alle Menschen an Krebs?“

Meine Antwort: „Nein, natürlich nicht. Aber leider sterben sehr wenige an Blödheit.“

Ich hätte auch ganz souverän sagen können:
„Einige schon, aber auch an vielen anderen Krankheiten.“
Aber die gesagte Option wollte einfach raus und meine Antwort verfehlte ihre Wirkung nicht.

Du merkst, es gibt einige Alternativen, um sich nicht verletzen zu lassen, den Angriff umzuleiten, zurückzuspielen.

Mir kommt es darauf an, dass du dich der Thematik nicht hilflos ausgeliefert fühlst. Vielleicht schaffst du es sogar, das Ganze spielerisch zu sehen.


Energie sparen und diese in schöne Dinge investieren

Und wenn es Menschen betrifft, die du eigentlich zu deinen guten Freunden zähltest, frage dich, ob es so weit gekommen wäre, wenn das der Realität entspräche.

Ich denke nämlich, dass sich das alles schon viel früher angebahnt hat, keine große Überraschung ist, du hast es nur nicht wahrgenommen.

Frage dich lieber: Für wen räume ich gerne auf? Und: Wer hinterlässt noch nach einem Treffen ein Lächeln auf meinen Lippen?

Die anderen lässt du eventuell geräuschlos aus deinem Lebensbus aussteigen oder aber, du begegnest ihnen ab jetzt mit einer dieser Techniken – sollte sich die Gelegenheit ergeben – und verlässt mit aufrechtem Gang die Bühne.

Die Energie, die du dadurch sparst, kannst du in deine Therapie, deine Fitness, deine Beziehung, deine Familie, deine Hobbies, einfach in schöne Dinge investieren.

Wenn das keine gelungene Umleitung der negativen Schwingungen ist, weiß ich auch nicht.

Wie sind deine Erfahrungen?
Welcher Konter ist dein Lieblingskonter?
Welcher Kommentar hat dich zuletzt völlig aus dem Gleichgewicht gebracht?
Wo hast du dich selbst gefeiert und den/die andere/n dumm aussehen lassen?

Schreib deine Gedanken und Erfahrungen gerne unten in den Kommentar. Ich würde mich sehr freuen von dir zu lesen.



Falls du meinen Beitrag
„Noch so ein Spruch und ich vergesse meine gute Erziehung“ nicht kennst: Klicke hier.

„Lessons learned“ – Fünf Jahre nach der Diagnose bin ich schlauer – Zellenkarussell

Außerdem lesenswert:

Meine Strategien gegen Angst. Die findest du in dem Beitrag: „Angst lass nach!“.

Mein Ratgeber (2. erweiterte Auflage) für alle, die bisher vergeblich einen Informationsschalter gesucht haben, der ihnen wichtige Dinge auf den Weg durch die erste Zeit nach der Krebsdiagnose gibt.

„Warum sagt einem das denn niemand? – Was Krebspatienten alles wissen müssen.“
Mehr dazu und wo du ihn bestellen kannst, findest du hier.

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