Arzt-Patientenverhältnis

Mein Überlebensdreiklang: Schulmedizin, Vertrauen, innere Haltung

Der Donnerschlag: „Sie haben Krebs.“

Von einem Moment auf den anderen ist das Leben nicht mehr so, wie es war. Die Endlichkeit des Lebens ereilt dich wie ein Donnerschlag. Aus dem Nichts. Ohne Vorwarnung. „Das kann nicht sein. Das ist doch sicher eine Verwechslung!“ Der Boden öffnet sich unter deinen Füßen. Du verlierst das Gleichgewicht. Alles ist aus dem Lot. Alles erscheint surreal. Alles.

Gedankenfeuerwerk

„Diese Diagnose triff doch immer nur andere, aber doch nicht mich!“, „Das ist eindeutig ein schlechter Film.“ Dann die bangen Fragen: „Wie sind die Heilungschancen?“, „Kann ich überhaupt geheilt werden?“, „Kann ich diesen Wahnsinn überleben?“, „Was ist mit meiner Familie?“, „Wie sage ich es den Kindern?“ Und, und, und … Ich könnte dieses Feuerwerk an Gedankenblitzen noch endlos fortsetzen.

Was mich allerdings nie bewegt hat, ist die Frage: „Warum ich?“ Denn das wurde ich öfter von Freunden oder Bekannten gefragt, ob mir das nicht gleich in den Sinn gekommen ist. Dazu kann ich nur ganz klar sagen: Nein, das hat mich nicht auch nur einen Augenblick interessiert. Ehrlich. Außerdem, was bringt mir die Frage? Was habe ich davon, die – mögliche – Ursache zu wissen. Es ist nicht zu ändern. Oder anders gefragt: Wen hätte es denn an meiner statt treffen sollen? Allein der Gedanke ist absurd.

Fortschritt und Fürsorge

Die Lebensweisheit des scheinbar immer fröhlichen Rheinländers „Et hät noch imme jut jejange“ (Übersetzung: Es ist noch immer gut gegangen) hilft nur bedingt, sage ich mal vorsichtig. Ich kann aus eigenem Erleben und aus voller Überzeugung sagen: Die klassische Medizin und damit auch die Krebstherapie hat sich in den letzten Jahren so rasant entwickelt, dass immer mehr Patienten gute Chancen haben, die Krankheit zu bewältigen. Immer mehr Krebskrankheiten können vollständig geheilt werden, die Therapien sind heute menschenwürdiger, verträglicher und individueller als sie es noch vor etwa 10 oder 20 Jahren waren.

Ein sehr angenehmer Arzt sagte mir einmal: „Liebe Nella, auch Zeitgewinn kann ein Therapieerfolg sein. Die Forschung, gerade die über Lymphome, schreitet alle drei Monate in Meilenschritten voran.“ Gleichzeitig muss ich auch an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, dass der Weg – bei allen Krebsarten – steinig ist und nur bewältigt werden kann, wenn alle Beteiligten (Ärzte/innen, Patienten/innen, Pflegepersonal, Psychoonkologen/innen, Familie und Freunde) Hand in Hand arbeiten.

Schulmedizin und Vertrauen lassen Optimismus wachsen

Im Folgenden schreibe ich viel von der Kraft des Optimismus und einer Haltung, die nach vorne schaut und niemals aufgibt. Die die Heilung im Blick hat. Um falschen Erwartungen und Missverständnissen vorzubeugen: Optimismus allein und starke Kräfte allein heilen den Krebs nicht! Leider. Aber die innere Haltung trägt eine Menge dazu bei, wie du durch diese Zeit gehst.

Denn: Meiner festen Überzeugung nach ist allein die Schulmedizin in der Lage, Krebs zu heilen. Ja, ich halte viel von den Segnungen einer gesunden Lebensführung (gute Ernährung, ausreichend Bewegung, stressarmes Umfeld), aber letztlich sind es die Naturwissenschaft und die Kompetenz von Fachleuten, die helfen. Ohne die ärztliche Heilkunst und ohne die auf meine Krankheit spezialisierte Kompetenz meiner Ärzte sowohl in der onkologischen Praxis als auch in den Unikliniken in Berlin und Münster hätte ich es nicht geschafft. Letztlich war es der Blick eines Oberarztes in ein Mikroskop, der die Wende in meinen nahezu aussichtslosen Fall brachte.

Mit diesem Blog möchte ich allen Betroffenen zurufen: Vertraut der medizinischen Heilkunst, lasst Euch nicht verrückt machen von Bachblüten und Misteln, die am Wegesrand liegen. Ist der Krebs erst einmal da, ist „vorbei mit lustig“. Allein die Schulmedizin kann den Krebs besiegen, das hat mir ein sehr verantwortungsvoller Naturheilkundler ganz früh gesagt. Andere Methoden können allenfalls ergänzend eingesetzt werden, aber auch das bitte immer in Abstimmung mit den Schulmedizinern.

 

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„Dr. Google“ und Dr. Rath – die falschen Ratgeber

Die Krebsforschung in Deutschland ist weltweit ganz vorne, je nach Krebsart gibt es international anerkannte „Leuchttürme“ und die onkologischen Arztpraxen in den Städten sehen jedes Jahr so unglaublich viele Fälle, dass sie wissen, wovon sie reden.

Lange Rede, kurzer Sinn: Vertraut der Medizin! Schaut auf die Qualität der Kliniken, fragt immer kritisch nach und lasst die Finger weg von „Dr. Google“ und Quacksalbern wie zum Beispiel Dr. Rath, den ich einmal selbst im Tempodrom in Berlin erlebt habe (2002 meine ich war das). Rein beruflich, in einem anderen Zusammenhang war ich abgeordnet, diesem fürchterlichen Spektakel (ich kann es nicht anders sagen) beizuwohnen. Dieser Auftritt hat mich tief betroffen und auch wütend gemacht. Unglaublich, wie dieser Mensch mit der Angst der Menschen im Auditorium gespielt hat. Für einige war er der sprichwörtliche letzte Strohhalm.

Verloren im world.wide.web

Im Netz ist es natürlich in erster Linie deswegen so heikel, weil du mit dem, was du da liest, ohne fachlichen Background konfrontiert bist. Die Parameter, die zu den dort beschriebenen Ergebnissen führen, können gar nicht genau mit deinem Fall übereinstimmen. Jeder Fall ist eben einzigartig. Genau beurteilen, kann das nur ein/e Facharzt/Fachärztin.

Dazu kommt, dass Artikel, die ein Jahr alt sind, heute schon uralt sein können. Und Statistiken sind zwar gut für medizinische Fachkongresse, nicht aber für Einzelschicksale. Was nützt es dir, wenn du am Ende zu den 10% gehörst, die nicht geheilt werden können, obwohl die Prognose bei 90% lag.

Kein Weg zu weit – Kompetenz sticht Nähe

Wenn es dir gelingt, einen Arzt zu finden, dem du vertraust, der kompetent ist, wenn es dir gelingt, ein gutes Verhältnis zu ihm aufzubauen, Fragen zu stellen und dich vertrauensvoll in das medizinische Versorgungsnetz fallen zu lassen, hast du schon eine Supergrundlage gelegt. Das ist der Boden, der dir den Raum und die Kraft für eine optimistische Haltung und den Durchhaltewillen gibt. Kleiner Hinweis noch: Man kann auch bei den Krankenkassen direkt nach einem/r kompetenten Arzt/Ärztin bzw. nach einer Klinik fragen und sich dort informieren. Auf den Punkt gebracht: Lieber einen Kilometer weiter weg von der Heimat als eine schlechtere Heilungschance. Die Kompetenz der Klinik, der Praxis, der Ärzte sticht immer, sollte das ausschlagende Kriterium für deine Therapie sein.

Es ist einfach so – das gilt für alle Krankheiten – dass da, wo viele Fälle behandelt werden, die Heilungschancen nachweislich besser sind. Eigentlich logisch, oder? Ich habe das Glück, in einer Großstadt zu wohnen, in der traditionell Spitzenmedizin ihren Platz hat. Ein kleines Beispiel: Noch vor zehn Jahren wäre ich nach dem Abschluss der ersten Chemo-Runde als „geheilt“ entlassen worden, wenn, ja wenn sich die bildgebenden Verfahren nicht in so dramatischer Weise verbessert hätten und den „schlummernden Sausack“ doch noch entdeckt hätten. Danke Herr Professor, danke Berlin, danke Siemens!

Ich wünsche euch jedenfalls alles Glück dieser Erde, dass ihr gut wieder aus dem Mist herauskommt. Entschuldigung, aber elegant umschreiben kann man diese schreckliche Situation, den Kampf mit dem “Sausack“ Krebs nicht.

4 Gedanken zu „Mein Überlebensdreiklang: Schulmedizin, Vertrauen, innere Haltung

  1. Nach der dritten schweren Attacke auf mein Leben habe ich mich schon gefragt, warum immer ich?
    Aber sonst stimme ich dir in allem zu. Du bringst es auf den Punkt.

  2. Falls es mich einmal erwischt: „Sie haben Krebs!“ werde ich ganz bestimmt nicht sagen: „Warum ich?“
    Ich werde versuchen, Nellas kompetente, reflektierende Art mit dem „Sausack“ umzugehen, für mich zu nutzen.
    Ein großartiger Blog mit vielen helfenden und aufschlussreichen Erkenntnissen.

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