Familienperspektive

Es gibt Zeugnisse! – Schlechte Noten für die Schule

Kinder von krebskranken Eltern


aktualisiert am 2. Juli 2021 – Ursprungsfassung vom 1. Juli 2020

Was Kinder von krebskranken Eltern erleben

„Meine Mama hat gesagt, dass deine Mama jetzt bald sterben muss.“ Kinder können grausam sein, das weiß man und trotzdem trifft es.

„Hort der Grausamkeit“ ist der Schulhof, da tritt zu Tage, was Kinder denken. Unser Sohn – damals 9 Jahre alt – schluckte seine Tränen auf dem Nachhauseweg noch herunter, kaum durch die Tür brach die ganze Verzweiflung aus ihm heraus.

Er schluchzte bitterlich, bekam kaum noch Luft und war nicht mehr zu beruhigen.

Jeder Mensch, der die „Diagnose Krebs“ bekommt, macht seine eigenen Erfahrungen. Es ist schwer genug sich den neuen Realitäten zu stellen – Betroffene wissen sehr genau, was ich meine.

Für Kinder der Erkrankten aber bricht ihre heile (Familien)Welt zusammen, die für sie so wichtig ist, um gestärkt hinaus zu gehen. Ihre Welt zu entdecken, zu lernen und fröhlich zu sein.

Die einen leiden still, bekommen Nasenbluten oder beginnen sich – auch das kommt vor – zu „ritzen“ , die anderen weinen aus scheinbar nichtigem Anlass.

Als Mutter mit der Diagnose Krebs fühlt man sich doppelt verantwortlich, ob man es will oder nicht. Einmal durch die Belastungen, die die Krankheit mit sich bringt (Krankenhausaufenthalte, wochenlanges im Bett liegen …), dann aber auch durch die Einflüsse, denen die Kinder in ihrer Außenwelt ausgesetzt sind.

Die „dunkle Seite der Macht“

Eigentlich – so dachten wir – hatten wir unseren Jüngsten gut präpariert. „Die Zellen in Mamas Körper sind auf die „dunkle Seite der Macht“ gewechselt, jetzt kommen die Ärzte mit ihrem Laserschwert und zerstören die bösen Zellen.“

Leander fand das sehr schlüssig, ihm hat diese Erklärung Halt gegeben. Er hatte sie seinen Kumpels in der Schule und im Sportverein erzählt und auch die fanden das „irgendwie logisch“.

Bis, ja bis eben diese Bemerkung auf dem Schulhof fiel: „Meine Mama hat gesagt, dass deine Mama jetzt bald sterben muss.“

Die „andere Mama“ war eben stärker als „Star Wars“.

Das Perfide ist: Man hat in der Zeit der ersten Chemos eigentlich keine große Antenne für die Sorgen anderer, selbst kaum für die der Kinder. Das hat nichts mit Egoismus zu tun. Es geht schlichtweg nicht.

Okay, dafür ist der Partner da, aber Mama bleibt eben Mama. Die Anhänglichkeit der Kinder wächst ins Unermessliche, mehr Liebe geht nicht.

„Welpenschutz“ versus „normaler Umgang“

Die eine Frage, die sich gleich am Anfang stellte, hatte uns als Familie sozusagen als „Dauerthema“ begleitet:
Wie bitte ich die Schule, auf die Befindlichkeit der Kinder einzugehen?

Wie finde (und bitte ich um) das richtige Maß zwischen „Welpenschutz“ und „ganz normalem Umgang“?

Eine Antwort: Ja, es gibt sie, die Lehrerinnen und Lehrer, die berührt sind, die genau dieses Maß finden, die „ein Auge auf das Kind haben“, die sich um Austausch mit den Eltern bemühen und ohne deren Empathie die Kinder verloren gewesen wären.

Aber: Die Zahl dieser Lehrerinnen und Lehrer lässt sich – nach nunmehr fünf Jahren der Krankheit und ihrer Folgen – an einer Hand abzählen. Eine Hand hat fünf Finger und mehr braucht man (leider) auch nicht.

Wenn im Folgenden von Situationen die Rede ist, die unsere Familie ganz besonders belastet haben, dann muss der Dank an diese wenigen Lehrerinnen und Lehrer unbedingt vorangestellt sein. Sie sind nicht gemeint!

„Blöde Kack-Arsch-Mama ohne Haare“

Es war in der letzten Juniwoche 2017, ich lag in Münster und hatte gerade die lebensrettende Stammzelltransplantation hinter mir. Die beiden Wochen nach der Transfusion sind besonders heikel, denn es kann gut gehen, sprich die neuen Zellen „wachsen an“, oder auch nicht.

Für unsere Familie war dies – bei aller Zuversicht – eine extreme Belastung. Was, wenn es nicht gutgegangen wäre?

In genau dieser Woche geriet Leander – zu diesem Zeitpunkt 10 Jahre alt – im Sportunterricht beim Basketball mit einem anderen Jungen aneinander.

Ein ganz normales Rangeln, der Sportlehrer schickte den einen auf die Bank (unseren Sohn), den anderen in die Umkleidekabine.

Auch Kinder kommen an ihre Grenzen

Auf dem Weg dorthin drehte sich dieser Junge noch einmal um und rief zornig und laut durch die Sporthalle:
„Dafür habe ich aber nicht so eine blöde Kack-Arsch-Mama ohne Haare.“

Nun muss man wissen, dass dieser Junge ein sehr enger Freund unseres Sohnes, oft bei uns zu Hause und einer der ganz, ganz wenigen war, der mich in einigen Momenten mit Glatze sah. „Blöde Kack-Arsch-Mama ohne Haare“ – das saß.

Leander stürmte mit seiner ganzen Verletztheit, seinem Schmerz und einer feinen Prise Wut in die Kabine und verpasste dem „Freund“ eine, Ungerechtigkeiten konnte er noch nie gut aushalten, hier war aber eindeutig die „Rote Linie“ überschritten.

Der Sportlehrer, der eilend nachkam, musste die beiden trennen.

Die Maschinerie des Schulsystems

Am Abend dieses Tages bekam mein Mann einen Anruf vom Klassenlehrer, der schilderte, was geschehen war (unser Sohn hatte nichts davon zu Hause erzählt), das Trommelfell des anderen Schülers sei lädiert.

Außerdem kündigte er an, dass nun – leider, leider – ein Programm abliefe, nach dem Leander mit Sanktionen zu rechnen habe. Dies sei so üblich in Berlin, in Neukölln habe man damit ganz großartige Erfahrungen mit einschlägigen (sic!) Schlägern gemacht.

Mein Mann war platt. „Schläger“, „Programm“, „Klassenkonferenz“, „Elternvertreter“, „Eintrag in der Akte“ … es ratterte.

Ganz vorsichtig hat er dem Klassenlehrer dann erklärt, was der Satz „Dafür habe ich aber nicht so eine blöde Kack-Arsch-Mama ohne Haare“ in gerade dieser Woche auslöste, und dann kam ein Satz, den wir noch öfter hören sollten: „Oh, das habe ich nicht gewusst, warum haben Sie das denn nicht schon viel früher gesagt?“

„Gut, dass Sie uns das jetzt sagen.“

Anmerkung: Wir hatten zu Beginn der Krankheit mit den Klassenlehrern und „wichtigen“ Lehrern gesprochen und vermittelt, dass wir keine „Ausnahmebehandlung“ wollten, „es“ wohl aber wissen lassen wollten.

Aber – und vielleicht muss man die Lehrerschaft hier sogar verstehen – es gibt bei rund 30 Schülern in einer Klasse nur ganz, ganz wenig Raum, um auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. Das Schulsystem ist auf derartige Ausnahmesituationen schlecht vorbereitet.

Klar, so der Lehrer, er erinnere sich jetzt sogar, aber dass „das“ (gemeint war die Krankheit) so lange dauere, hätte er ja nicht geahnt. „Gut, dass Sie das jetzt sagen.“

Er erzählte dann von zwei Schulausflügen, auf denen Leander völlig unvermittelt geweint habe, jetzt könne er dies viel besser einordnen. Eine Nachricht übrigens, die uns zum Zeitpunkt der Ereignisse nicht erreicht hatte.

Auch dass er sich manchmal einfach auf den Boden legte und vor aller Mitschüler laut loslachte, erfuhren wir erst in diesem Telefonat.

Warum das so war, erschließt sich mir bis heute nicht.

Das Ende einer Freundschaft

Ergebnis: Die „Schlägerei“ wurde heruntergestuft, mein Mann musste eine Erklärung unterschreiben, dass er auf unseren Sohn einwirke, keine Gewalt mehr auszuüben (er neigt überhaupt nicht dazu, ganz im Gegenteil, er wird für sein Eintreten für Schwächere oft gelobt), und gut war´s.

Wie zu hören war, hatte sich der Klassenlehrer (aber erst nach dem Telefonat) auch an die Eltern des „Freundes“ gewandt. Und statt der Suche nach einem klärenden Gespräch geht man sich jetzt lieber – hin und wieder sieht man sich im Kiez – aus dem Weg.

Die Freundschaft fand ein jähes Ende, das Vertrauen daran Gott sei Dank nicht. Leander erfuhr danach viel Zuwendung von seinen Mitschülern. Sie waren sich einig darin, dass hier jemand sehr unfair gespielt hatte.

Nachtrag: Eine befreundete Schuldirektorin wies uns flehentlich darauf hin, dass „so was“ nicht noch einmal passieren dürfe, unser Sohn müsse sonst „zwingend“ die Schule wechseln.

Die Vorschriften und die Abläufe seien sehr eng gesetzt. Ist auch nie wieder passiert – warum auch?

Eingeschlossen: Die Sache mit der Umkleide

Ich befand mich in Ratzeburg in meiner Anschlussheilbehandlung, die Tage liefen gut, noch wusste ich nicht, dass die „erste Runde Chemo“ nicht von Erfolg gekrönt war.

Egal – wunderbares Wetter, als mittags meine Tochter (damals 14 Jahre alt) aus Berlin anrief. Sie berichtete mir aufgeregt, dass sie im Rahmen des Sportunterrichts auf dem Sportplatz nach dem Umziehen in der Umkleidekabine von einer Mitschülerin, der die Sportlehrerin den Schlüssel anvertraut hatte, eingeschlossen worden sei und jetzt nicht wisse, was sie tun solle.

WAS? WIE? Ich war fassungslos.

„Wo ist denn die Lehrerin?“, so meine erste Frage. „Na, die stellt schon die Hütchen auf dem Sportplatz auf, die habe ich gar nicht gesehen.“

Sie hätte der Mitschülerin noch hinterhergerufen, diese habe ihre Rufe aber offensichtlich nicht gehört. Ich habe meine Tochter aus der Entfernung versucht zu beruhigen und ihr gesagt, sie solle entweder im Sekretariat anrufen oder einfach den Rest der Stunde – es waren noch 20 Minuten – abwarten, dann würde sie ja auch „befreit“.

Mehr konnte ich von außen nicht tun, da ich eilig ins Sprechzimmer der Arztes gerufen wurde. Ein Smartphone hatte sie übrigens damals nicht, die Nummer des Sekretariats der Schule hatte sie leider nicht gespeichert.

Ein beklommenes Gefühl blieb. Es war schrecklich.

Post von der Schule

Dieses Gefühl sollte sich bald doppelt bestätigen. Wenige Tage später flatterte uns per Post ein Tadel inklusive Begleitschreiben der Schule ins Haus, und zwar wegen „unentschuldigten Fernbleibens vom Unterricht“.

Jetzt gibt es Dinge, von denen man eigentlich glaubt, dass es sie nicht geben kann, die dann doch irgendwie aufploppen. Und dieser Tadel gehörte ganz eindeutig dazu. „Unentschuldigtes Fernbleiben“ – absurder ging es nicht.

Wir beschlossen, darauf eindeutig zu reagieren. Mein Mann – recht wortgewandt –  hatten in einem messerscharf formulierten Brief den Sachverhalt klargestellt und den Tadel „urschriftlich“ zurückgeschickt. Logisch, oder? Das wollten wir nicht auf ins sitzen lassen. Der Fehler lag nicht bei Marie. 

Das Tribunal

Wenige Tage später kam ein Anruf aus dem Sekretariat der Schule, man wolle sich einmal zusammensetzen, wann es denn möglich sei? „Zusammensetzen“, das klang nach Entspannung, nach Verständigung, nach Aufklärung, der Termin war schnell gefunden.

Was dann kam, war ein „Ereignis der dritten Art“ – so berichteten es mir mein Mann und meine Tochter unisono.

Schulleiterin, Klassenlehrerin und Sportlehrerin hielten ein „Tribunal“ ab, der Tadel wurde verteidigt (und nicht zurückgenommen), unserer Tochter wurde unterstellt, in der bewussten Zeit „am Ku´damm“ gewesen zu sein.

Das Hauptargument des „Trio infernale“: Das Kind sei ja bekanntermaßen in einer schwierigen Lage (hier erinnerte man sich auf einmal daran, dass „da was“ war), da sei der Schritt zum Flunkern doch sehr nah.

Der naheliegende Hinweis, doch die Mitschülerinnen, die nach den beiden Sportstunden unsere Tochter „befreiten“, ganz einfach zu befragen, wurde mit dem Argument gekontert, dass diese Kinder ja in der Zwischenzeit sicher beeinflusst worden seien.

Marie stand trotz der unfassbaren Ungerechtigkeit wie eine „Eins“, sie vergoss kein Tränchen, meinem Mann blieb – was selten vorkommt – Die Sprache weg. Nach einer Stunde war das hochemotionale, perfide inszenierte „Verhör“ beendet, übrig blieb „verbrannte Erde“.

Seitenwechsel

Im Schuljahr darauf wurde – ausgerechnet – die Schulleiterin zur Mathelehrerin unserer Tochter.

Wir hatten sofort das Gespräch mit ihr gesucht und gefragt wie wir die neue Situation einzuordnen hätten. Sie hat uns versichert, dass sie „diese Geschichte“ streng vom Unterricht trennen könne. Ich hatte große Zweifel und war schon auf der Suche nach einer neuen Schule für Marie. Das konnte nicht gut sein. Aber es geschah so,  wie sie versprochen hatte. 

Eintrat etwas zum damaligen Zeitpunkt nicht Absehbares: Sie hat sich unsagbar um die Verbesserung von Maries Matheleistungen bemüht und ihr seit diesem „Vorfall“ viel Unterstützung angedeihen lassen.

Das „Tribunal“ spielte keine Rolle mehr, da wir unsere Tochter auf der Schule belassen wollten (u. a. weil es da die berühmten „Ausnahme-Lehrerinnen“ gab und unsere Tochter unbedingt bei ihren MitschülerInnen und FreundInnen bleiben wollte), ließen wir die Sache auf sich beruhen.

Im Rückblick betrachtet

Sehr viel später haben wir erfahren, dass die Sportlehrerin mächtig einen „eingeschenkt“ bekommen haben soll. Nie wieder hatte sie einer Schülerin das Abschließen der Umkleidekabine überlassen, sie wird wissen warum.

Bei gelegentlichen Begegnungen ging sie unserer Tochter aus dem Weg oder schaute an die Decke – musste ja auch nicht sein.

Für die Direktorin und den Ruf der Schule stand damals eine Menge auf dem Spiel. Daher das „hohe Einsteigen“. Aber auch davon erfuhren wir erst später. 

Die Sportlehrerin hatte sich einer groben Aufsichtspflichtverletzung schuldig gemacht, die weitere Kreise hätte ziehen können (das Lehrpersonal muss immer wissen, wo sich die Schüler zum Zeitpunkt des Unterrichts befinden).

Wir hätten, berechtigterweise, ein richtig großes Fass aufmachen können. Daher auch die beschriebene Inszenierung von Seiten der Schule. Verteidigt wurden die Schule und die Lehrerin, nicht die Schülerin, immerhin ja auch Teil der Schule.

Im Nachhinein ist man immer schlauer.

Allerdings – und darauf hatten die Beteiligten wohl auch gesetzt – die Energie, um richtig einzusteigen, hatte uns damals eindeutig gefehlt.

Der Satz: „Ich kann mich nicht um jeden kümmern.“ sagt alles

Zu dem ganzen „Mist mit der Krankheit“ kommen noch Dinge hinzu, die „kein Mensch braucht“.

Schon unter normalen Umständen möchte man, dass es in der Schule neben dem Unterricht doch bitte so reibungslos wie möglich läuft. Umso mehr unter den Bedingungen einer lebensbedrohenden Krankheit.

Es muss den Platz und den Raum geben, in denen Kinder in schwierigen Situationen aufgefangen werden können.

Versucht man dies vorsichtig anzumerken, kommen zwei Standardantworten: „Dafür haben wir einen ‑ wahlweise dann wiederum keinen ‑ Schulpsychologen“.

Und natürlich der Klassiker
„Ich habe 28 Kinder in der Klasse, ich kann mich wirklich nicht um jeden Einzelfall kümmern“.

Diese Variante wird gerne kombiniert mit „Ich kann mich nicht für ALLES verantwortlich fühlen?“

Richtig. Sicher nicht.

NUR: Eine krebskranke Mama gehört nicht in die Kategorie  „Alles“.

Nach meiner Einschätzung, das muss ich leider konstatieren, hängt es fast ausschließlich vom Einfühlungsvermögen einzelner, sehr wertvoller Lehrerinnen und Lehrer ab, die eine „Antenne“ für die schwierigen Lagen einiger Kinder haben und sich ihnen zuwenden.

Hat man die ihm Boot, kann man sich glücklich schätzen.

Assessment-Center Schule

Kinder werden heute – sicher in der Absicht, um Leistungen und Verhaltensweisen möglichst objektivierbar zu machen – unter ein Bewertungsraster gelegt, das jedem Assessment-Center größerer Industrieunternehmen zur Ehre gereichen würde.

Mir liegt ein Bogen vor, in dem Lehrerinnen und Lehrer ein Kind in 50 (!) Punkten einschätzen und bewerten müssen – diese Zeit, liebe Schulverwaltung, wäre besser investiert, wenn man den Kindern hin und wieder einfach nur zuhören würde. Abweichungen vom Normverhalten nicht gleich verurteilen, sondern versuchen sollte zu verstehen, woher das kommt.

Ich empfehle da  die Lektüre eines Klassikers von Erich Kästner: „Pünktchen und Anton“. 

Als Ergebnis einer solchen Einschätzung meinte der damalige Klassenlehrer von Marie (am Ende der 10. Klasse), dass er in seinen Lehrerjahren noch nie jemanden erlebt habe, der unter diesen Vorbedingungen das Abitur dann „ohne Stolpern“ erreicht habe.

Die Ehrenrunde in der Oberstufe war nach dieser Aussage von uns allen eingepreist, allein sie kam nicht.

Ich glaube, ihm ist die Bitterkeit dieser „Motivationsspritze“ und der Nachhall noch nicht einmal bewusst gewesen – warum auch?

Sie hat es geschafft, ohne „Stolpern“.

Sie will jetzt Lehrerin werden. Liebe Tochter, mach es besser!

 

Wenn ich mir etwas wünschen könnte. Oder: Von den Briten lernen! 

Mir ist bekannt, dass es in England das Modell des sogenannten „pastoral care“ gibt, also die Unterstützung in persönlichen Angelegenheiten der Kinder. Das steht dort ganz oben auf der Agenda und hat einen hohen Stellenwert.

Eine (deutsche) Lehrerin, die in England gearbeitet hat, schrieb mir dazu:
„Es gibt klare Strukturen innerhalb der Schule, wer was wann wie machen kann und soll, wenn Kinder in Notsituationen sind und die Schule das mitbekommt. Lehrer*innen tauschen sich mit der Jahrgangsleitung und gesonderten Pastoral Care-Beauftragten aus. So ist auch im Kollegium niemand überfordert (das war für mich als junge Lehrerin eine riesige Hilfe), niemand weiß „zu viel“ (kann auch wichtig sein), die Eltern sind mit im Boot.

Betroffene Kinder hatten einfach immer Ansprache (inklusive Schulpsychologin), wenn nötig und wussten auch, dass sie sich nicht immer wieder von Anfang an erklären mussten.

In Prüfungszeiten wurden wo möglich Erleichterungen geschaffen (was beim großen britischen Rudelprüfen aber auch einfacher ist). Definitiv nicht immer perfekt, aber ich habe tolle Ansätze erlebt.

Ich war aber auch an einer relativ kleinen, vergleichsweise sehr gut ausgestatteten Schule.“

Das wäre doch mal was.

Welche Noten bekommt die Schule bei dir?

Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Das interessiert mich sehr. In den Kommentaren kannst du mir deine Antwort auf meine Fragen geben.

Ich und natürlich auch alle „Zellenkarussellfahrer*innen“ freuen sich von dir zu lesen. Merci. Herzlichst, die Nella

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3 Gedanken zu „Es gibt Zeugnisse! – Schlechte Noten für die Schule

  1. Was wolltest du schon immer mal zu diesem Thema los werden? Schreibe deine Erfahrungen einfach in das Kommentarfeld und tausche dich mit den anderen aus. Herzlich grüßt dich, die Nella

    1. Hallo Nella,
      Du sprichst mir aus der Seele. Ich, Hautkrebs im Endstadium mit Metastasen im Gehirn, pendele zwischen normalen Alltagsproblemen und der Planung meiner Beerdigung. Nach der Krankenhausentlassung habe ich eine Email an alle Lehrer und die Direktorin meines Sohnes (fast 12) geschickt. Wortlaut sehr kurz und knapp: ich kann davon ausgehen, dass ich laut meiner Ärzte nur noch wenige Wochen/Monate zu leben habe und bitte Sie Rücksicht auf diese außergewöhnliche Situation zu nehmen.

      Nach sage und schreibe zwei Wochen kam dann doch eine Antwort von einer Lehrerin (die schon vorher Bescheid wußte und eine der “Guten“ ist) und die sich nur nicht früher gemeldet hat, weil ihr Account gecrasht war. Übrigens waren keine Ferien…
      Eine Lehrerin von insgesamt 8 Adressaten…
      Das sagt doch alles…

      1. Liebe Annika,
        erst einmal ganz, ganz herzlichen Dank, dass du mir (uns allen) schreibst. Deine Geschichte hat mir kurzfristig die Luft genommen und auch meine persönliche Panikzentrale aktiviert. Ich weiß sehr genau, dass du die Dinge sehr klar siehst und sie gut ordnen willst.
        Das die Lehrer überhaupt nicht reagieren, kann ich mir nur so erklären, dass sie absolut überfordert sind. Sie wissen nicht, was sie sagen sollen. Ich kann mir auch vorstellen, dass einige eine Antwort begonnen, dann aber wieder abgebrochen haben. Sei gewiss, dass deine Botschaft angekommen ist.
        Die Lehrerin, die sich bei dir gemeldet hat, ist ein echtes Vorbild für alle. Selten genug, aber es gibt sie. Gott sei Dank. Daher feiere sie im Herzen um so mehr und die Gewissheit, dass sie sich kümmern wird. Ich glaube, dass jedem der das hier liest in Gedanken sehr stark bei dir, bei euch ist. Ich jedenfalls bin mächtig ergriffen.

        Es grüßt dich von Herzen eine tieftraurige Nella, die sich gerade auch mächtig hilflos fühlt <3 <3 <3

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