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Verreisen mit Krebs: Was muss ich beachten?

Auszeiten gönnen 

Jeder braucht das: Abstand vom Klinikalltag, den Untersuchungen, der Therapieabläufe und den zahlreichen Arztbesuchen.
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Wir haben uns damals – auch in sehr schwierigen Phasen – immer eine kleine Auszeit gegönnt.

Echte Glücksmomente boten unsere Urlaube am Meer.

Gerade, wenn man nicht weiß, wohin die große Reise des Lebens geht, sind kleine Fluchten, kleine Veränderungen eine große Energiequelle für die nächsten Etappen.

„Aber wie mache ich das am besten? Wie bereite ich das vor?“ fragst du dich sicher.

Daher das wichtigste zuerst: Sprich mit deiner Ärztin/deinem Arzt

Sage ihnen, was du vorhast.

Also: Wohin soll es wann gehen, welcher Zeitraum ist geplant, wer kommt mit, welche Verkehrsmittel wirst du nutzen, wie lange ist die Reisedauer und, und, und.

Je konkreter du deine Reisepläne vorstellst, um so besser.

Mein Ärzte-Team war immer bemüht, mir meine Urlaubswünsche zu erfüllen, selbst während der Therapie.

Oft macht es nicht viel aus, wenn die Zyklen etwas länger auseinander liegen als ursprünglich geplant.

Das kannst du durchaus „verhandeln“.

Dieser Schritt kann auch hilfreich für deine Angehörigen sein, die immer darauf bedacht sind, dass du dir nicht zu viel zumutest. Hast du erst Mal dein ärztliches Team im Boot, geht es viel leichter deine Lieblingsmenschen von deinen Plänen zu überzeugen.

Körper und Geist stärken

Für die meisten BehandlerInnen ist ohnehin klar, dass Auszeiten einen positiven Effekt auf Körper und Geist haben. Du also eher gestärkt wieder zurückkommst und die weiterführende Therapie dann sogar besser verkraftest.

Für mich war immer wichtig, dass auf Grund meiner Transplantation eine Uniklinik in der Nähe war. Das muss für dich nicht unbedingt gelten. Was ich dir aber rate, ist, suche dir am Urlaubsort eine Klinik oder auch Praxis, die ein eigenes Labor hat.

Nimm vorher auch Kontakt dorthin auf und frage nach, ob sie die Betreuung übernehmen wollen und können, gerade wenn du noch in einer Therapie bist. Und Achtung: Manchmal haben die ausgewählten Praxen selbst Urlaub, auch ich bin da schon in die „Weihnachtsfalle“ getappt.

Empfehlenswert ist, wenn der behandelnde Arzt vor Reiseantritt mit der Kollegin am Urlaubsort Kontakt aufnimmt, das erleichtert vieles. Macht aber nicht jede/r.

Ganz konkret:

  • Den aktuellen Arztbrief inklusive Medikamentenliste immer mitführen.
  • Alle notwendigen Medikamente sowieso. Am besten gleich etwas mehr einpacken – ca. plus eine Woche oder sogar die doppelte Bedarfsmenge -, damit du ausreichend versorgt bist, sollte sich dein Aufenthalt aus irgendwelchen Gründen verlängern. Erkundige dich, ob du die Medikamente im Zweifel auch am Urlaubsort (gerade, wenn du ins Ausland reist) bekommst.
  • Wenn du fliegen wirst, gehören diese Dinge alle in dein Handgepäck.
  • Außerdem eine Bescheinigung deines Arztes (mindestens auf Englisch), warum du diese Medikamente/medizinisches Equipment benötigst.
  • Bei medizinischem Equipment bitte auch die entsprechenden Zertifikate einstecken.
  • Besonders wichtig ist die Bescheinigung des Arztes bei Canabis und Morphinen, also solchen Medikamenten, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Dafür gibt es sehr genaue Einfuhrbestimmungen.
  • Wenn du Equipment mitnehmen musst, kannst du dieses als (zusätzliches, kostenfreies) medizinisches Handgepäck im Vorfeld anmelden.
  • Flugreisen nach frischen OPs, gerade im Bauch-, Brustraum oder Schädel (Hirntumore), sind nicht zu empfehlen.
  • Checke vorher, ob du alle Arztnummern in deinem Handy eingespeichert hast.
  • Und dann das Lieblingsthema: Achte auf guten Sonnenschutz. Alles was unter Lichtschutzfaktor 50 liegt, kannst du vergessen. Dann: Hut, Kappe, Tuch, wie du magst.
    Suche grundsätzlich lieber den Schatten auf. Sonnenbrand oder einfach nur zu viel Sonne können unangenehme Hautreaktionen auslösen, manchmal sogar auch Infekte triggern (ist mir selbst leider passiert).

Wenn du Krankengeld beziehst und ins Ausland reisen möchtest, solltest du vorher bei der Krankenkasse anfragen und eine Einwilligung/Zustimmung einholen. Wenn du Krankengeld beziehst und ins Ausland reisen möchtest, solltest du vorher bei der Krankenkasse anfragen und eine Einwilligung/Zustimmung einholen.
Mehr zu diesem Thema findest du hier: Verreisen während Bezug von Krankengeld – Was man als Patient beachten sollte (krankenkasseninfo.de)

Ein echter Geheimtipp noch zum Schluss:
Der EURO-WC-Schlüssel

Folgendes verbirgt sich dahinter:
Therapiebedingt haben viele Krebspatienten Schwierigkeiten mit Darm und/oder Blase. Daher ist es gut zu wissen, wo sich das nächste WC befindet. Dazu kommt, dass diese oft verschlossen sind.

Danke an Ela „Maleh“: Eine Leserin des Zellekarussells klärte mich über diesen internationalen WC-Schlüssel auf.

Genau dieses Problem wird durch den 1986 eingeführten Euroschlüssel (vornehmlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz) gelöst. Ein ausgeklügeltes Schließsystem ermöglicht den Zugang zu behindertengerechten sanitären Anlagen und Einrichtungen, z. B. zu Autobahn- und Bahnhofstoiletten, aber auch zu öffentlichen Toiletten in Fußgängerzonen, Museen oder Behörden.

Du kannst den Schlüssel und auch eine Übersicht über die Standorte (Das Verzeichnis darüber nennt sich „Der Locus“) für ca. 26 € hier erwerben: Euro-WC-Schlüssel, 26,00 € (bsk-ev.org).

Wenn dich das interessiert, kannst du hier Euro WC-Schlüssel: CBF Darmstadt (cbf-da.de) noch einiges mehr dazu erfahren.

So, das war das.

Ich wünsche dir auf jeden Fall schon jetzt eine gute Reise – egal wie lang, egal wohin. Und: Wochenendtrips haben natürlich auch ihren Reiz.

Hauptsache mal raus, mal weg, mal Tapetenwechsel.



P.S.: Kennst du eigentlich das Projekt Heldencamper?

Heldencamper

Das Reiseprojekt für junge Erwachsene mit und nach Krebs – die stellen Wohnwagen kostenlos für junge Menschen mit/nach Krebs zur Verfügung, um sich eine kleine Auszeit zu gönnen. Und Wir können Helden sein: Wir teilen Spaß und Glücksmomente, lassen Wünsche wahr werden, aber auch in Angst, Schmerz und Trauer sind wir füreinander da!“

Leseempfehlungen:

Ich kündige! – Zellenkarussell

Willst du eigentlich dein „altes Leben“ vor der Krebsdiagnose zurück? Eine Frage, 16 Antworten. – Zellenkarussell

„Lessons learned“ – Fünf Jahre nach der Krebsdiagnose bin ich schlauer – Zellenkarussell

Lesenswerte Links – Zellenkarussell

Krebsratgeber

Mein „Erste-Hilfe“ Ratgeber für dich!

„Warum sagt einem das denn niemand?“

Antje Vorndran schreibt: Kleine Broschüre mit großer Wirkung

25. Juni 2021.
„Warum sagt einem das denn niemand?“ … Eine Frage, mit der ich mich sofort identifizieren konnte. Meine eigene Erkrankungserfahrung liegt mittlerweile schon einige Jahre zurück und doch stelle ich auch heute ab und zu noch fest, dass ich Dinge höre, die ich damals gut hätte gebrauchen können!

Nella hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Lücke zu füllen. Und man merkt sofort, hier spricht jemand aus (geballter) Erfahrung. Ihr Büchlein „Was Krebspatienten alles wissen müssen“ fasst erfrischend schnörkellos Tipps und Erfahrungswerte rund um das Patient:innen-Selbstmanagement während einer (Krebs)Erkrankung zusammen.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist der Abschnitt zum Thema Eigenverantwortung. Das ist so so wichtig (und natürlich nicht nur während einer Erkrankung!). Nella schreibt dazu „Keiner hat das große Ganze im Blick, also müssen Sie das selbst tun.“. Was nicht zu verwechseln ist mit, du musst das alles allein tun! Ein Riesenunterschied! Und so kann auch das Büchlein schon ein wichtiger Helfer sein. Es bringt in wenigen Worten (auch das schon sehr hilfreich in Zeiten der Überforderung) viele praktische Tipps zum Aufenthalt im Krankenhaus und drumherum zusammen. Dinge, die man eben gerne schon von Anfang an gewusst hätte. Flankiert wird das Ganze von einem Abschnitt zur inneren Haltung und zu Affirmationen, um die Motivation zu stärken. Sehr empfehlenswert!

Die „Erste Hilfe“ nach der Diagnose – auch für Angehörige.
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