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Was hilft bei trockener Haut?


Das Hautpflege-Ernährungs-Tutorial mit Dr. Yael Adler

Wenn ich schon mal eine bekannte Dermatologin vor dem Mikrofon habe, ergibt es Sinn, einmal nach geeigneten Maßnahmen bei trockener Haut zu fragen, so dachte ich mir.
Meine harmlose Ausgangsfrage lautete: „Was tun, wenn die Haut unter der Krebstherapie leidet und sehr trocken wird?“

Mit dem Kompetenz-Feuerwerk, das dann folgen sollte, hatte ich nicht gerechnet. Es lohnt sich weiterzulesen.
 

Die erste Informationsrakete:
Die richtige Hautreinigung und Hautpflege

Bei der Chemo gibt es häufig toxische Effekte. Beginnt sie, arbeiten die Onkologen gerne mit Kältehandschuhen oder Kältesocken, damit die Hände und Füße geschont werden, Dies deswegen, damit weniger Chemo an Finger und Zehen kommt und die Nägel nicht geschädigt werden.

Es gibt auch Kälte-Kopfbedeckungen/-hauben, um den Haarausfall zu mildern.

Im Grunde ist das schon der wesentliche Unterschied.

Denn eigentlich gilt für alles dasselbe: Weniger ist mehr!

Natürlich haben Krebspatienten oft trockene Haut, klar, aber eben auch andere. Für alle gilt:

  • Nur mit Wasser waschen (die „großen Strecken“),
  • Grundsätzlich: Wenn Seife, dann sehr sparsam einsetzen. Damit sind hauptsächlich die „Krisenherde“, wo ätherische Öle abgesondert werden, gemeint. Also in den Leisten, der Pofalte, unter den Achseln und an den Füßen.  


Welche Waschsubstanzen eignen sich?

Für die Ganzkörperpflege am besten keine alkalische Seife, auch nicht, wenn sie „bio“ beziehungsweise „öko“ ist, verwenden.

Besser: eine synthetische Waschsubstanz, ein Tensid. Die gibt es im Bioladen und wird aus Naturstoffen (Zucker- und Kokostensiden) hergestellt.

  • (!) ohne Duftstoffe,
  • (!) ohne Farbstoffe,
  • (!) ohne Konservierungsstoffe/Parabene,
  • (!) ohne Mineralöle,
  • ohne Schaum
  • und ohne Glitzer,
  • Mit einem pH-Wert, der dem Säureschutzmantel entspricht: pH 5.
    Diese trockenen die Haut am wenigsten aus.

Seifenfreie Waschstücke

Beim routinemäßigen Händewaschen empfiehlt Yael Adler seifenfreie Waschstücke, kein Gel. Damit könne man inzwischen sogar die Haare waschen.

Ich habe recherchiert, dass man diese nicht nur kaufen kann (z. B. im Bioladen), sondern sie auch selbst herstellen kann. Hier der Link: Milde Gesichtsreinigung mit Tonerde-Waschstück: Alternative zu Seife (smarticular.net)

Die „Vier Wochen-Entzugskur“

Das erstaunliche sei, dass wenn man vier Wochen lang die Haut nicht mehr seift, feststellt: „Mensch, krass, meine Haut kann ja selbst Fett produzieren.“

Das geschieht durch die Oberhaut und die Talgdrüsen. Letztere geben die wachsartigen Fette an die Oberhaut weiter. Die normale Fettproduktion wird reaktiviert.

„Oberhautfett und Talg verbinden sich zur besten Hautschutzpflege der Welt.“ Man solle sie nur nicht immer wegpeelen und wegseifen.

Wenn doch gecremt werden muss:
Tipp Nummer 1: Sheabutter

Wenn es nach vier Wochen trotzdem noch trocken Stellen gibt, kann man diese natürlich sehr gerne eincremen.
Sie persönlich nimmt dafür die recht günstige Sheabutter, ein 100% unraffiniertes Fett aus Afrika (Ghana), aus dem Karitébaum. Man nimmt dann einfach einen Klumpen und fährt damit über die Haut, denn die Butter ist sehr fest.

Dieses Fett ähnelt dem körpereigenen Fett am meisten und enthält Vitamin A und E. Es ist ein wasserfreies Reparatur- und Schutzfett und bleibt sogar drauf, wenn man sich „eine Runde“ die Hände wäscht.

Die Farbe ist gelblich und der Geruch leicht nussig. Die Butter nimmt sofort das Spannungsgefühl weg, das findet Dr. Adler besonders angenehm.

Für sie ist die pure Variante die bessere und nicht die Beimischung in teuren Hautpflegeprodukten großer Marken.

Tipp Nummer 2: Dermamembranstruktur-Cremes oder hautähnliche Lipide

Dermamembranstruktur-Cremes oder hautähnliche Lipide, die die Haut atmen lassen, sind auch eine Möglichkeit, wenn die Sheabutter zu „freakig“ ist. Das kann man der Produktbeschreibung entnehmen oder man fragt in der Apotheke nach. Das Besondere ist, dass bei der Herstellung dieser Cremes ohne Emulgatoren gearbeitet wird, die eventuell Allergien erzeugen können.

Mineralöle sollten draußen bleiben.

Diese enthalten keine krebserregenden Mineralöle, keine Duft- und Konservierungsstoffe und sind meist super verträglich. Wer zu Hautinfektionen neigt, sollte nach Mikrosilber fragen.

Mineralöle werden manchmal medizinisch eingesetzt, um eine Art Schwitzfolieneffekt zu erzielen, der wiederum dafür sorgt, dass die medizinischen Stoffe besser durch die Haut transportiert werden. Für die Haupflege solltet ihr diese aber meiden.

Tipp Nummer 3: Bodylotion mit Harnstoff

Außerdem sind Bodylotions mit Harnstoff (Urea – natürlicher Feuchthaltefaktor) ganz gut und auch nicht teuer.

Die zweite Informationsrakete: Ernährung für bessere Haut

Das große Blutbild verrät viel

Wenn das alles noch nicht so recht zündet, kommt die Ernährung ins Spiel.

„Mal ins Blut schauen: Ist die Schilddrüse überhaupt in Schuss. Habe ich einen Eisenmangel – das macht auch trockene Haut.“

Da sollte ich folgendes überprüfen lassen:
Wie sehen meine Zink-, Vitamin D-, Omega 3-, Vitamin B-, Silizium-, Selen-Werte aus?
Fehlen mir vielleicht andere, wichtige Mineralstoffe, Vitamine oder Aminosäuren?

Dass kann man alles bei einem großen Blutbild feststellen, muss man aber meist privat zahlen, es sei denn, man ist privat versichert.

Mal eine Vitaminkur einschieben

Es gibt auch Hersteller, die für eine Post-Chemo- oder Post-Bestrahlungs-Phase eine Mischung anbieten. Natürliche Vitaminmischungen zum Trinken sind auch eine Alternative. Dazu mal in der Apotheke fragen.

„Zink, Vitamin D, Omega 3, Selen fehlen fast jedem. Daher gerne einfach mal eine Vitaminkur machen, wenn man das Blutbild nicht checken lassen möchte.“



Kommen wir zur Darmflora

Entscheidend für eine gute Darmflora ist es, lösliche Ballaststoffe zu sich zu nehmen: Leinsamen, Flohsamenschalen, Akazienfasern (80 % löslicher Ballaststoff, erzeugt auch keine Blähungen).

Dann auch Wurzelgemüse, bittere Salate, erkaltete Kartoffeln. Die züchten die richtigen Bakterien im Darm an. Probiotische Drinks oder Pulver aus der Apotheke. Man könnte auch seine Darmflora bestimmen lassen (molekulargenetisch im Speziallabor), wenn man es genau wissen möchte.

Gute Produkte sind auch:
– original griechischer Joghurt
– unpasteurisiertes Sauerkraut
– Kefir
– Kimchi vom Koreaner
und
– effektive Mikroorganismen trinken – kann man einfach bestellen –, wie die Menschen auf Okinawa. Die nehmen dafür sogenannte Fermentationsschnäpse, die wie Essig schmecken und 33 lebendige Bakterien und Hefen enthalten.

Großer Auftritt für den Salat aus dem heimischen Garten

Denn Salat-Bakterien aus dem Garten „stinken gegen Neurodermitis, Ekzeme und trocken Haut an.“

Salat aus dem heimischen Garten enthalten natürliche Bakterien, die sich im Darm sehr wohl fühlen und sich vermehren und uns damit gesund machen. Das wiederum hat einen guten Effekt auf die Haut, weil sie Vitamine produzieren, die Immunabwehr stärken und uns vor Toxinen schützen.

Wer hätte das gedacht?

Sie sind wertvolle Bakterienlieferanten für die Haut, weil beim Stuhlgang auch welche in die Vagina kriechen. Die diese dann stark mach gegen ätzende Erreger und besiedeln die Haut, wobei sie dann damit gegen trocken Haut, Neurodermitis und Ekzeme helfen, anzustinken.

Gegen Toxine auf der Haut: täglich duschen

Wie ihr vielleicht wisst, musste ich mich 2017 einer Stammzelltransplantation unterziehen, die immer mit einer Hochdosis-Chemo vorbereitet wird. Damit wird das gesamte Immunsystem komplett heruntergefahren. Erst danach erfolgt die Stammzelltransplantation mittels – ziemlich unspektakulär  – Transfusion.

Gerade nach der Hochdosis-Chemo wurden alle Patient*innen dazu aufgefordert, jeden Tag zu duschen, um sich die Toxine von der Chemo, die über die Haut ausgedünstet werden, abzuduschen.

Meine Lieblingsschwester hatte mir sogar davon berichtet, dass Patient*innen, die das nicht tun, sich häufig schwerwiegende Infekte eingefangen haben, die den Aufenthalt in der Insolation entweder verlängert oder aber – was noch viel schlimmer war –  sich dadurch großen Gefahren ausgesetzt und ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben. Die Kombination aus hoher Infektanfälligkeit und mangelnder Hygiene kann weitreichende Folgen haben, die niemand möchte.

Frau Dr. Adler stellte fest, dass diesbezüglich tatsächlich sehr wenig aufgeklärt würde und war dankbar für meinen Erfahrungsbericht aus erster Hand. „Das kommt tatsächlich zu kurz.“

Auf Ihre Nachfrage, welche Waschsubstanz verwendet werden sollte, musste ich allerdings passen. Das Wesentliche war aber auch in diesem Fall – egal wie – die Haut von den Giften zu befreien.

So weit meine „Raketen“ aus dem Gespräch mit Dr. Yael Adler. Zugegebenermaßen im Schnelldurchlauf, deswegen lege ich Euch dringend ans Herz, euch das Buch „Haut nah“ zuzulegen (und zu lesen!). Ihr werdet staunen, was man sich selbst Gutes mit richtiger Hautpflege und mit richtiger Ernährung tun kann.

Dr. Yael Adler verrät uns Ihr neues Buch-Projekt


So viel durfte Sie schon mal verraten: Wir dürfen uns schon bald über ein neues Buch von Ihr freuen. Es geht – ganz grob gesagt – um Prävention und gesundes Leben. Sie recherchiert und schreibt schon fleißig.

Aber – und das betont sie besonders – Ihre Praxisarbeit würde Sie nie aufgeben, aus dieser „Quelle“ holt Sie sich auch die Inspiration für Ihre Bücher. Denn natürlich erfährt Sie ganz direkt und ungeschminkt, was die Patient*innen beschäftigt. Und, wie wir wissen, hört Sie eben auch immer gut zu.

Bleibt mi nur noch vielen lieben Dank für dieses wunderbare Tutorial zu sagen.

Es war mir ein Fest, liebe Yael.



Hier noch die Links zu den Büchern von Frau Dr. Yael Adler

„Haut nah“: Haut nah: Alles über unser größtes Organ. Neu mit Praxisteil (Erweiterte Ausgabe 2018) : Adler, Dr. med. Yael, Spitzer, Katja: Amazon.de: Bücher

„Darüber spricht man nicht“: Darüber spricht man nicht: Dr. med. Yael Adler erklärt fast alles, was uns peinlich ist : Adler, Dr. med. Yael: Amazon.de: Bücher

„Wir müssen reden, Frau Doktor.“: Wir müssen reden, Frau Doktor!: Wie Ärzte ticken und was Patienten brauchen : Adler, Dr. med. Yael, Spitzer, Katja: Amazon.de: Bücher

Anmerkung: Das Buch habe ich natürlich in Vorbereitung zu unserem Talk vorher gründlich gelesen und kann es wirklich empfehlen. Gerade, wenn du mehr über die verschiedenen „Arzt- und Patienten-Typen“ erfahren, dir mal gedanklich einen Arzt-Kittel (oder einen taillierten für die Ärztinnen) überstreifen möchtest. Außerdem liest es sich leicht und unterhaltsam weg.


Außerdem lesenswert:



Der Link zu meinem Beitrag: Gesucht: Ein genetischer Zwilling für die Stammzelltransplantation – Zellenkarussell

Du brauchst

So einen Ratgeber hätte ich gerne am Anfang gehabt, deshalb habe ich ihn einfach selbst geschrieben.

Bei dem Workbook gegen die Ängste stand mir eine Psychologin zur Seite.

Hier kannst du mehr zu beiden erfahren.

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