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„Ich bin die Bank, auf die du dich setzen kannst.“ Oder die Frage: Was macht der Krebs mit unserer Liebe und unserem Liebesleben?“

Diesen Satz hat mein Mann zu mir gesagt, kurz nachdem meine Krebsdiagnose bekannt war und er sofort zu mir ans Krankenbett eilte. „Ich bin die Bank, auf die du dich setzen kannst.“
Diesen Satz sagt er bis heute immer mal wieder. Er gibt mir Kraft, lässt mich ruhiger atmen, er ist wie ein sich erneuerndes Versprechen: In guten wie in schlechten Tagen.
Am Anfang habe ich vielleicht noch gar nicht verstanden, wie wundervoll dieser Satz wirklich war. Ich war viel zu sehr damit beschäftigt, gesund zu werden. Ich musste mich völlig neu organisieren, Arztgespräche wie Meetings vorbereiten, Befunde verstehen, Therapien aushalten, mit einem neuen Körpergefühl umgehen, Ängste sortieren, für meine Kinder da sein und für meine Eltern. Also das, was viele tun müssen, die in so eine Situation geraten. Von jetzt auf gleich beginnt ein neues Leben, das Leben als Krebspatientin.
Heute weiß ich, dass in diesem Satz sehr viel seiner Liebe steckt, das, was unsere Beziehung ausmacht. Wir können uns aufeinander verlassen.

Mein Mann gibt mir Halt, wenn der Boden unter den Füßen wegbricht.

Als ich meine Diagnose bekam (Non-Hodgkin-Lymphom, 4. Stadium – eine Krebserkrankung des blutbildenden Systems), habe ich Michael natürlich angerufen.

Er weiß bis heute ganz genau, wo er stand, als ihn mein Anruf erreichte. Er saß im Auto und war auf dem Weg zu mir ins Krankenhaus. Bis heute meidet er diesen Ort, er umfährt ihn weitläufig. Nicht, weil dieser Ort etwas dafür kann. Natürlich nicht. Aber er steht für eine emotional äußerst aufwühlende, niederschmetternde Nachricht. 

Denn eigentlich war ich ja nur zur Kontrolle in die Notaufnahme gegangen. Ich wollte mich durchchecken lassen, weil ich schon seit Wochen nachts schwitzte, viel Gewicht verloren hatte, unheimlich schlapp war und über Nacht noch eine Beule unterm rechten Rippenbogen gewachsen war, die mich unruhig machte. Die gehörte da nicht hin.

Es wird nichts mehr sein wie vorher

Dieser Ort ist mit diesem Moment verbunden, mit einer Nachricht, die alles verändert hat. Wenn er nur daran denkt, schlägt sein Herz schneller. Dann kommt alles wieder hoch. Die Angst. Die Hilflosigkeit. Die leise Vorahnung, dass ab jetzt nichts mehr so sein würde, wie es einmal war.

Auch das gehört zur Wahrheit einer Krebsdiagnose. Sie trifft nicht nur die Person, die krank ist. Sie trifft auch die Menschen, die uns lieben, die das auch erst einmal verarbeiten müssen, ihre Ängste haben und trotzdem irgendwie funktionieren wollen oder müssen.

Und genau deshalb sollten wir dringend über die Liebe, die Paarbeziehung nach Krebs sprechen. Über das, was vorher so leicht und unbeschwert war. Über Nähe. Über Berührung. Über Sex. Über Libido. Über dieses merkwürdig-belastende Schweigen, das sich breitmacht.

Was ist eigentlich mit uns passiert?

Aus dem verführerisch-spielerischen „Komm mit ins Bett, Schatz“ wird auf einmal eine Aussage, die wie eine Prüfung klingt, eine die sofort Stress auslöst. Das Herz rast, der Puls fliegt und ein unangenehmes Feuerwerk an Gedanken beginnt: „Fass mich bitte an, aber bitte nicht so“. „Ich will Nähe, aber ich halte sie gerade kaum aus“. „Ich vermisse uns, aber ich weiß nicht, wie ich dahin zurückkomme“ „Ich will Ihn nicht durch meine Ablehnung verletzen.“.

Statt Leichtigkeit und Ekstase füllt sich der Raum mit einer Sprachlosigkeit, die so laut wird, dass wir es kaum aushalten und nicht gut Luft bekommen. 

Eine Krebsdiagnose zieht nicht nur ins Krankenhauszimmer ein, sondern auch ins Schlafzimmer. Sie legt sich zwischen zwei Menschen, die sich lieben, die sich kennen, die sich vielleicht seit Jahren vertraut sind. Doch plötzlich fühlen sie sich fremd.

Berührungen oder ein Zusammenzucken werden missverstanden und als Zurückweisung interpretiert. Ein Ausweichen als Desinteresse. Niemand sagt etwas. Unter anderem auch aus der Annahme heraus, dass er oder sie schon wisse, was der andere damit sagen will, wenn er sich zurückzieht oder früher ins Bett geht als gewöhnlich oder gleich auf der Couch im Wohnzimmer vor dem Fernseher sein neues nächtliches Nest baut oder ins Gästezimmer „flüchtet“.

Die Denkschleifen „Ich dachte, Du dachtest, und deshalb habe ich nichts gesagt“ sind sehr gefährlich.

Es beginnt ein langsamer Prozess des Sich-Auseinanderlebens. Dabei wäre es so viel besser, die Paare würden das Gespräch miteinander suchen. Sich Zeit füreinander nehmen, ohne gleich unter die gemeinsame Bettdecke zu schlüpfen und wie früher ineinander zu versinken.

Mein Mann und ich haben viel miteinander geredet. Sehr viel. Und ich kann Dir verraten, da waren viele Tränen im Spiel und es wurde auch mal lauter – es kann auch sein, dass die ein oder andere Tür knallend ins Schloss gefallen ist, aber daran möchte ich nicht so gern erinnert werden. Was wir aber immer wussten: Wir sind zwar unglücklich, aber nie mit uns, sondern mit dieser blöden Situation, mit dem blöden Krebs, der uns das alles eingebrockt hat.


„Wer ist die Frau?“

Daher wussten wir immer, dass es wieder besser wird – nur wann? Schon als ich die Medikamente absetzen durfte, wurde mein Ton etwas weniger aufbrausend, ich wurde wieder ausgeglichener. Ich stand nämlich wirklich manchmal erschrocken neben mir und dachte: „Wer ist diese Frau? Kann die sich bitte mal benehmen und nicht gleich so lospoltern.“ Das tut mir im Nachhinein noch immer sehr leid und ist mir peinlich. Ich hatte überhaupt keine Impulskontrolle mehr, wie es so schön heißt. 

Ich weiß nicht, wie viele Gespräche wir geführt haben, es waren reichlich. Und sehr erstaunlich: Die meisten hat mein Mann in die Wege geleitet, was untypisch ist. Denn vorher war immer ich diejenige, die die Dinge schnell klären wollte. Jetzt wich ich aus und er fing mich ein. 

Außerdem half mir Margarethe, meine Psychoonkologin, die mich immer drängte, meinen Mann öfter zu loben. „Nehmen Sie das, was er tut, nicht als Selbstverständlichkeit hin. Bedanken Sie sich ruhig öfter mal. Ihr Mann macht so viel für Sie.“ Recht hatte sie.


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Fliegen mit verklebten Federn

Beide Seiten sind voll mit Erwartungen, Ängsten und Annahmen

Der Körper ist einfach verletzt. Die Seele ist überreizt. Der Kopf ist voller Ängste. Die Lust hat sich irgendwo unter Befunden, Chemos, Narben, Medikamenten, Hormonen, Erschöpfung, Scham und Erwartungsdruck versteckt. So gut versteckt, dass man irgendwann denkt, sie kommt nie wieder. Ich kenne dieses befremdliche Körpergefühl, das dir sicher auch vertraut ist.

Und ich kenne auch den Blick auf den Menschen neben mir, der ebenfalls verunsichert ist. Der nicht weiß, ob er etwas falsch macht. Der vielleicht denkt, er sei nicht mehr gewollt. Nicht mehr begehrt. Zu vorsichtig. Zu fordernd. Zu nah. Zu weit weg. Zu viel von allem.


„Nur ein Angehöriger“ – was mein Mann schreibt.

Mein Mann Michael hat in seinem sehr persönlichen Text für diesen Blog hier „Nur ein Angehöriger“ geschrieben, dass Sex eines der letzten Tabuthemen beim ohnehin schon schweren Thema Krebs sei. Ein Tabu im Tabu.

Ich hatte ihn dazu ungefähr ein halbes Jahr nach der Gründung meines Blogs „Zellenkarussell“ aufgefordert und gesagt: „Ich fände es schön, Du würdest mal etwas aus Deiner Sicht, der Sicht eines Angehörigen schreiben. Ich gebe Dir dafür keine Deadline vor. Wenn Du nicht möchtest, ist das auch in Ordnung.“ Es war in Ordnung für ihn – auch wenn dieser Text fast fünf Monate brauchte, bis er von mir veröffentlicht werden durfte.

In diesem Beitrag hat er auch darüber geschrieben, dass er mich weiterhin begehrenswert fand. Auch kahlköpfig. Auch schlapp und kraftlos. Auch an Schläuchen hängend. Als ich das gelesen habe, hat mich das sehr berührt. Vielleicht auch deshalb, weil ich es selbst nicht immer glauben konnte.


Wer bin ich noch – für ihn und für mich?

Denn das ist eine der gemeinsten Nebenwirkungen dieser ganzen Geschichte. Wir verlieren nicht nur Haare, Kraft, Gewicht, Leichtigkeit oder Vertrauen in den Körper. Wir verlieren auch den Blick auf uns selbst – unser Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl.

Bin ich noch attraktiv? Bin ich noch begehrenswert? Bin ich überhaupt noch die Frau, die ich vorher war?

Und dann bist du endlich wieder ganz zu Hause. Die Therapie ist vorbei und du bist vielleicht sogar krebsfrei, wie ich nach einer langen Behandlungsodyssee und einer Stammzelltransplantation. Dein Liebster oder deine Liebste legt vorsichtig die Hand auf den Rücken. Früher wäre das vielleicht ein Anfang gewesen. Jetzt kann es sein, dass der ganze Körper innerlich auf Alarm geht.

Nicht, weil du den anderen Menschen nicht mehr liebst. Sondern weil die Nerven blank liegen. Weil die Narben ziehen und schmerzen. Weil die Haut empfindlich ist. Weil die Hormone fehlen. Weil deine Medikamente die Libido dämpfen. Weil die Fatigue, diese bleierne Erschöpfung, alles überlagert. Weil der Kopf nicht abschaltet. Weil du dich nicht schön fühlst. Weil du Angst hast, nicht zu genügen.

Oder weil man schon beim ersten Kuss denkt, dass jetzt mehr passieren muss.

Druck ist schlecht für die Libido

Und genau dieser Druck ist Gift für die Libido, dieses zarte Pflänzchen.

Sex nach Krebs geht nicht einfach da weiter, wo wir vor der Diagnose Krebs damit aufgehört haben. Auch wenn sich das viele wünschen. Besonders der gesunde Part sehnt sich nach dem Davor zurück. Nach Normalität. Nach dem alten Wir. Nach dem Beweis, dass alles überstanden ist. „Der Satz: Das muss doch mal wieder gut sein, das mit deinem Krebs“ ist nicht besonders hilfreich.

Meine Therapeutin Margarethe, die auch immer mal in meinem Buch „Fliegen mit verklebten Federn“ vorkommt und schon einen kleinen Fanclub hinter sich versammelt hat, sagte mir: „Frau Rausch, versuchen Sie es doch einmal mit diesen Formulierungen: ‚Ich vermisse Dich, aber ich habe Angst.‘ ‚Bitte fass mich an, aber ohne Erwartung.‘ ‚Ich ziehe mich nicht zurück, weil ich Dich nicht will. Ich ziehe mich zurück, weil ich mich selbst gerade kaum spüre.‘“

Solche Sätze klingen nicht nach heißer Erotik. Klar. Aber sie können ganz vorsichtig wieder Nähe herstellen.

Mein Mann hat in seinem Text beschrieben, wie stark dieses Wir sein kann. Dieses bedingungslose Beistehen. Dieses „Ich für Dich, Du für mich“. Er schreibt auch, dass bedingungslose Gemeinsamkeit sexy sein kann. Lies am besten selbst mal „bei ihm vorbei“, er hat das so schön formuliert. Genau so fühlt es sich an.


Wie sah deine Beziehung denn vorher aus?

Und bestimmt hilft es auch, sich mal ganz ehrlich zu fragen, wie es denn vorher war. Denn nicht jede Beziehung war vor der Diagnose ein erotisches Feuerwerk. Es gibt auch ohne Krebs Phasen, in denen der Alltag schwerer wiegt als die Leidenschaft. Kleine Kinder, pflegebedürftige Eltern, beruflicher Stress, Wechseljahre, Konflikte, Müdigkeit, Verletzungen. Wann habt Ihr vorher zuletzt „das Bett zerlegt“ und danach glücklich an die Decke geschaut? Macht doch mal den Beziehungscheck – auch das gehört zum Gesamtbild.

Die Krebserkrankung macht nicht immer etwas kaputt, was vorher gut und besonders war. Sie legt auch frei, was schon lange schwierig war. Sie wird zum Katalysator in Beziehungsfragen.

Was macht uns eigentlich als Paar aus? Was war ehrlicherweise schon lange gähnende Gewohnheit? Womit warst Du vorher nicht ganz so glücklich, hast es nur nicht gesagt und einfach laufen lassen? Was bedeutet Dir unsere Beziehung? Was macht sie aus?

Und ja, manche Paare trennen sich nach einer Krebsdiagnose. Andere wiederum rücken enger zusammen. Wieder andere bleiben zusammen und entdecken sich neu. Ich glaube nicht, dass es dafür eine einfache Formel oder ein Rezept gibt. Ich denke, da könnten Profis durchaus hilfreich sein, wie zum Beispiel Sexual- oder Paartherapeutinnen und -therapeuten.


„Da kannst Du aber froh sein, dass Dein Mann bei Dir geblieben ist.“

Was ich allerdings überhaupt nicht leiden kann, ist dieser Satz: „Da kannst Du aber froh sein, dass Dein Mann bei Dir geblieben ist.“ Darauf habe ich spontan geantwortet: „Ja, bin ich! Und er auch.“ Denn natürlich kann auch er froh sein, dass ich bei ihm geblieben bin. Nur weil wir krank geworden sind, heißt es nicht, dass wir alles aushalten müssen. Auch wenn die Gesellschaft uns die Rolle der Schwächeren zuweist: Wir sind es nicht! Wenn eine Beziehung nicht mehr stimmt, dürfen und müssen auch wir die Freiheit haben, den Schlussstrich zu ziehen. Unsere Krebserfahrung hat nämlich noch etwas mit uns gemacht: Wir sind stärker und entschiedener geworden, in vielen Belangen sogar noch ungeduldiger. Wir lassen uns nicht sagen, wie wir uns fühlen oder noch schlimmer was ein adäquates (Krebspatienten-)Verhalten sein soll.

Ich habe durch meine Gespräche mit anderen Frauen, die an Krebs erkrankt sind folgendes Bild zum Thema Trennung nach Krebs gewonnen: Bei sehr vielen ist der Beziehungscheck, den ich oben angeregt habe, nämlich negativ ausgefallen. Sie haben entschieden sich zu trennen. Warum? 

Hier die Begründungen zusammengefasst und verdichtete: „Na, die Zeit, die ich jetzt geschenkt bekommen habe, möchte ich so verbringen, wie ich es will. Ohne Kompromisse.“ Das fängt bei der Ausstattung der Wohnung an, geht über die Wahl des Urlaubsortes bis hin zur Verwirklichung eines lang gehegten Lebenstraumes – den der Partner niemals mitgemacht hätte. 



TV-ANKÜNDIGUNG – Nachtcafé – 26.06.2026 – „Liebe: Vom Finden und vom Bleiben.“ :

Am Freitag, den 26. Juni, bin ich um 22 Uhr im SWR Nachtcafé zu Gast. Das Thema der Sendung moderiert von Michael Steinbrecher lautet: „Liebe: Vom Finden und vom Bleiben.“

Sendung vom 26.06.2026 – swr Nachtcafé – Liebe: Vom Finden und vom Bleiben. – Bild @swr

Wer spricht worüber?

Der Schauspieler Hardy Krüger jr. und seine Frau Alice Krüger sprechen darüber, wie eine Liebe krisenfest bleiben kann, auch wenn der Rosenkrieg der Eltern plötzlich mit voller Wucht in die Familie kracht und alles durcheinanderbringt.
Karen Heinrichs (Sat 1, Frühstücksfernsehen) erzählt vom Single-Sein. Davon, wie schön es sein kann, allein zu sein. Und wie anstrengend es manchmal ist, das nach außen erklären oder sogar verteidigen zu müssen.
Dr. Ulla Becker spricht sehr berührend über eine Liebe, die 35 Jahre im Verborgenen bleiben musste.
Ingrid und Walter Gläßer haben nach 42 Ehejahren gemeinsam etwas gemacht, bei dem ich immer noch denke: Warum macht man so etwas überhaupt? Sie haben bei der „World’s Toughest Row Atlantic“ in einem Ruderboot (1,50 m breit und ca. 7,11 m lang) den Atlantik überquert. 59 Tage auf See. Zu zweit. In einem Boot. Wenn eine Beziehung da nicht auf die Probe gestellt wird, wann dann?
Und Dr. Mathias Jung, der unsere Gespräche als Paartherapeut und Philosoph mit seinen fachlichen Gedanken begleitet und bereichert hat.
Bei mir ging es um ein Thema, über das nach einer Krebsdiagnose viel zu selten gesprochen wird, die Intimität. Denn auch hier gilt: Wir können nicht einfach wieder da anfangen, wo wir aufgehört haben.



Was ihr als Paar ausprobieren könnt und was wir auch – in Teilen – umgesetzt haben (Noch viel mehr Tipps gibt es in „Fliegen mit verklebten Federn“):

Neben all dem, was ich hier aus unserer Geschichte erzähle, möchte ich Dir noch ein paar Dinge mitgeben, die du für dich oder gemeinsam mit deinem Partner, deiner Partnerin ausprobieren kannst. Nicht alles passt für jedes Paar. Aber vielleicht ist ein Gedanke dabei, der einen Anfang möglich macht.

Redet miteinander

Das klingt banal, ist aber der wichtigste Punkt. Ohne miteinander zu sprechen, entstehen schnell Missverständnisse. Ich dachte, Du dachtest, und schon hat keiner mehr etwas gesagt. Sprecht über Bedürfnisse, Ängste, Unsicherheiten und darüber, was Nähe gerade bedeutet. Auch ein Satz wie „Ich weiß gerade selbst nicht, was ich brauche“ ist ein Anfang. Michael und ich machen das regelmäßig und haben einen festen Tag in der Woche – Sonntag – dafür zwei Stunden freigeschaufelt.

Holt Euch Unterstützung

Wir holen uns in so vielen Lebensbereichen Hilfe. Warum also nicht auch hier? Sexualtherapeutinnen, Psychoonkologen, Paartherapeutinnen oder ganzheitlich arbeitende Coaches können dabei helfen, wieder Sprache, Nähe und eigene Strategien zu finden. 

Kläre medizinische Ursachen ab

Libidoverlust ist nicht nur Kopfsache. Medikamente, Hormontherapien, Schmerzen, Narben, Fatigue oder Nebenwirkungen können das Lustempfinden stark verändern. Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber. Frage nach, ob Medikamente Einfluss haben können, ob eine andere Dosierung möglich ist oder ob es Alternativen gibt.

Nimm den Druck raus

Die Libido lässt sich nicht herbeizitieren. Und schon gar nicht unter Druck setzen. Wenn du mit deinem eigenen Körper noch nicht im Reinen bist, wie soll es dann deine zarte Lust sein? Gib dir Zeit. Denkt auch daran, dass es schon vor der Diagnose Phasen gegeben hat, in denen Stress, Müdigkeit oder Alltag die Sinnlichkeit blockiert haben.

Fangt kleiner an

Der reine Akt ist nicht das Maß aller Dinge. Der gemeinsame Orgasmus ist sowieso ein Mythos, der sich tapfer hält. Zärtlichkeit, Kuscheln, Massagen, gemeinsames Kochen, ein schönes Bad, Musik, Duft, angenehme Kleidung oder ein ruhiger Abend können wieder Nähe herstellen.

Findet eure Liebessprache

Im Buch schreibe ich ausführlicher über die fünf Love Languages. Hier nur der schnelle Überblick. Es gibt Worte der Anerkennung, gemeinsame Zeit, Geschenke, Hilfsbereitschaft und körperliche Berührung. Tauscht euch darüber aus, was euch wichtig ist. Vielleicht fühlt sich dein Partner durch Unterstützung geliebt, während du dir eher Worte oder Berührung wünschst.

Umarmt euch öfter

Umarmungen werden unterschätzt. Die Familientherapeutin Virginia Satir sprach von vier Umarmungen am Tag zum Überleben, acht zum Wohlfühlen und zwölf für persönliches Wachstum. Ob man diese Zahlen nun wörtlich nimmt oder nicht, die Richtung stimmt. Berührung kann Vertrauen langsam wieder aufbauen. Also bitte öfter kuscheln. 

Probiert die Drei-Schritte-Methode aus

Frau Prof’in Tanja Zimmermann beschreibt in ihrem Buch „Seite an Seite“ eine behutsame Methode, die ich sehr hilfreich finde.

Im ersten Schritt geht es um Streicheln, sich Zeit nehmen, vorsichtiges Berühren von Narben und leichte Massagen in entspannter Atmosphäre.

Im zweiten Schritt können die Genitalbereiche dazukommen, aber ohne Geschlechtsverkehr. Es geht ums Erkunden.

Im dritten Schritt kann Sex wieder möglich werden. Anders als vorher, ohne Druck und ohne den Anspruch, an das alte Davor anzuknüpfen. P.S.: Da können auch Spielzeuge aus der Intim-Produktwelt helfen. Darauf bin ich meinem aktuellen Buch ausführlich eingegangen.

Schafft kleine Rituale

Nimm dir bewusst Zeit für dich und für euch. Wann habt ihr das zuletzt gemacht? Lange her? Dann fangt klein an. Ein Abend in der Woche. Ein gemeinsamer Tee am Abend. Eine Atemübung. Ein Spaziergang. Musik. Zusammen oder füreinander kochen. Oder einfach zehn Minuten auf dem Sofa sitzen und reden, ohne sofort wieder in den nächsten Organisationsmodus zu rutschen.

Atmung, Bewegung und Entspannung nutzen

Regelmäßige Bewegung, Yoga, Meditation und Atemtechniken können das Körpergefühl stärken und Stress abbauen. Und wenn der Körper sich wieder sicherer anfühlt, kann auch Nähe leichter werden. 

Kleiner Fun-Fact: Während ich diesen Text hier schreibe, probt die Band von Helene Fischer im Olympiastadion (14. Juni 2026) den Song „Sexy“ von Marius Müller-Westernhagen. „Sexy, ich würde alles für dich tun. … Du bist die Waffe, für die es keinen Waffenschein gibt. …“ 
Ich denke, mein Mann geht da mit. Schmunzel.

Hinterlasse gerne ganz unten deinen Kommentar. Ich freue mich immer sehr darüber.

Meine Ratgeber Du brauchst – Meine Ratgeber

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Veröffentlich am 4. Februar 2026.

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