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Zwölf Tage und ein großes Ziel – Mein Rezept für mehr Fitness

Darf ist vorstellen: Otto – mein Innerer Schweinehund.

Was hatte mich da bloß geritten? Vollmundig hatte ich eine Challenge in den Sozialen Medien angekündigt, in der ich über einen Zeitraum von z w e i Monaten meine Lungenfunktion verbessern möchte. Die war und ist nämlich reichlich im Keller.

Ziel war es auch, mit dieser Taktik, meinen Inneren Schweinehund „Otto“ auszutricksen. So ähnlich wie auf dem Bild stelle ich ihn mir vor. Isser nicht süüüß?
Er hatte es sich ganz schön bequem gemacht in meinem Leben.

Doch dann wurde es ungemütlich für Otto

In einem Beitrag der „Ernährungs Docs“ hatte ich zufällig mitbekommen, dass das Spazierengehen immens wichtig ist, um das Lungenvolumen zu verbessern und die Ladys Annette von Rexrodt-Fircks und Nicole Staudinger hatten meinem Bewegungsgewissen in einem motivierenden Gespräch noch zusätzlich ganz schön eingeheizt.

Der Erfolg: Nach 12 Tagen kann ich tatsächlich schon beobachten, dass ich viel besser Luft bekomme.

Für mich ein großer Ansporn, weiter zu machen.

Um das aber genau zu checken, werde ich mich Ende April einem LUFU-Test (Lungenfunktionstest) unterziehen. Ich bin sehr gespannt, was dann dabei herauskommt.

Denn im nächsten Jahr möchte ich unbedingt wieder so viel Luft haben, um einen offiziellen Lauf (laufen oder walkend ist mir letztlich wurscht) zu bestreiten.

Und Otto? Der muss runter von der Couch! Klar.

Ziele zu haben, ist sehr wichtig für mich.

Wie lang mein Lauf dann ausfällt, werden wir sehen. Schon 5 km wären ein riesiger Erfolg für mich.

Um dir auch einen Einblick in meine täglichen Herausforderungen, meine Strecke und meine Stationen zu gewähren, habe ich hier die ersten zwölf Tage zusammengefasst.

Und: Wer mir von jetzt auf Facebook oder Instagram folgen möchte, ist herzlich dazu eingeladen.

Ich stelle jeden Tag eine kleine Geschichte inklusive Filmchen ein und nehme dich mit. Denn wie gesagt: Je mehr Menschen von meiner Challenge wissen, desto leichter fällt es mir auch dran zu bleiben.

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Die ersten zwölf Tage – Aus dem „Lauftagebuch“

#aufatmen – Meine Challenge beginnt

Tag 1

Laufen für die Lunge. Das ist meine Challenge für die nächsten zwei Monate. Mein Ziel: Meine sogenannte Einsekundenkapazität (das ist der Messwert, der auf die Verengung der Bronchien hinweist) soll mindestens 45 % erreichen. Der Normalwert liegt bei >90% und meiner bei schlappen 30% (!).

Fazit: Ich muss dringend meine Lunge trainieren. So geht das nicht weiter. Ich hechle wie ein Mops, ich bin ständig schlapp, Spazierengehen und dabei sprechen, geht überhaupt nicht.

Was habe ich vor: ich gehe von heute an jeden Tag, um 9 Uhr mindestens 2 km und steigere mich jedes Mal ein wenig. Jeden Stopp auf dieser Strecke erfasse ich in meinen „Aufatmen-Tagebuch“ und nehme euch mit auf meinem täglichen Walk. Wer möchte, schließt sich mir an. Und: es wird bestimmt nicht langweilig. Versprochen.

Alles, was ich unterwegs erlebe, teile ich mit euch. Berlin bietet immer Stoff für Geschichten.

Mein erster Walk war nur etwas zum Warmwerden, ohne Publikum (grins). Daher hier nur mein Startfoto und keine Zeiten. Verraten kann ich aber, dass ich am Ende nicht so fröhlich aussah, wie beim Start.

Aber das ist ja eben auch ein Teil der Challenge.

Loriot, die Möpse und die Enten

Tag 2

Was ich gestern noch vergessen hatte zu erwähnen, war: „Wenn die Einsekundenkapazität unter 40% liegt, ist das nicht gut“, so die Auskunft der Lady beim LUFU-Test (Lungenfunktionstest).

Wie lief es heute? Mega schönes Wetter. Bin insgesamt 3,3 km gewalkt. YEAH. Die Zeit kann ich euch leider nicht genau sagen, weil ich mich lange mit einem Gärtner unterhalten habe und vergessen hatte, meine LaufApp anzuhalten.
Wie? Gärtner? Hä? Ja, diese Frage ist berechtigt. Ich habe Loriot, die Möpse und die Enten gesucht. Wo? Auf dem Waldfriedhof in Charlottenburg. Allein hätte ich ihn nicht mehr gefunden.

Zum Glück kommt im Moment der völligen Orientierungslosigkeit ein Gärtner mit seiner Schubkarre vorbei. Ich fuchtle mit meinen Händen in der Luft rum und rufe: „Wissen Sie, wo Loriot liegt. Ich finde ihn nicht.“ Denn bei aller Liebe, noch mehr Treppen hoch- und runterlaufen, schaffe ich nicht. Bin total am Limit.

„Loriot suchen se, ja ditt Jrapp kann ick ihnen zeijen.“ Er macht eine einladende Geste, pafft weiter seine Zigarette und läuft dampfend voraus. Ich habe Mühe, ihm zu folgen. „Da isser.“ Ich schaue lächelnd auf das „Entendefilee“ auf seinem Grabstein und stelle erschrocken fest, dass etwas fehlt. „Ja, aber wo sind denn die Möpse, die lagen doch immer hier. Einer rechts, einer links vom Grabstein?“

„Ach, die hat die Tochter vermutlich für einen guten Zweck versteigert.“ Puh, immerhin nicht geklaut, denke ich. Trotzdem schade.
„Jut, ick muss dann zu meiner Karre. “
Er dreht sich tiefenentspannt um und geht wieder die Treppen hoch. Seine Zigarettenqualm-Wolke nimmt er mit. „Man sieht sich!“ ruft er mir noch zu.

Mein 3-Gang-Menü für heute

Tag 3

Berlin kann mehr als Bockwurst!

1. Gang: mein tägliches Pensum. Ein neuer Tag und es lief super. Also vergleichsweise. Ich bin 4km gewalkt und habe dafür 48:52 min. gebraucht, inklusive zwei Stopps zum Luftholen.

2. Gang: in die Vergangenheit. Mein Weg führte mich entlang der Jesse-Owens-Allee, Anlass für mich, mich genauer über diesen Sportler zu informieren. Jesse Owens – eigentlich James Cleveland – nahm 1936 an den Olympischen Spielen in Berlin teil – obwohl er erst nicht ins Hitlerdeutschland reisen wollte.

In einem Land, in dem dunkelhäutige und jüdische Athleten diskriminiert wurden, wollte er nicht antreten, sagte er später der Presse. Sein Trainer hatte ihn schließlich doch überredet. Der sportliche Erfolg gab ihm recht. Mit vier Goldmedaillen wurde er der erfolgreichste Athlet dieser Sommerspiele.

3. Gang: mutige Freundschaft. Die Weitsprungmedaille verdankte er der Überlieferung nach Luz Long, einem deutschen Mitkonkurrenten um das Siegertreppchen. Dieser soll ihm nach dem zweiten Fehlversuch in der Qualifikation den entscheidenden Tipp für den richtigen Absprung gegeben haben. Was aber, wie ich nun recherchiert habe, (leider) widerlegt wurde.

Was aber erwiesen ist, ist dass die beiden nach der Siegerehrung (Long holte Silber) untergehakt, Hand in Hand, auf die Zuschauerränge zu gingen und sich auch während des Wettkampfes angefreundet hatten: „Es kostete ihn viel Mut, sich vor den Augen Hitlers mit mir anzufreunden. … Hitler muss wahnsinnig geworden sein, als er uns umarmen sah.“ kommentierte Owens später einmal.

Leider wurde Long im Zweiten Weltkrieg getötet und die Freundschaft der beiden konnte nicht fortgesetzt werden. Owens: „Das Traurige an der Geschichte ist, dass wir uns nie wieder gesehen haben.

Morgen stolpere ich weiter in meiner Challenge und sammle Geschichten. Ich hoffe, ich kann dann einen Gang höher schalten. Ich freue mich schon.

Was ein fröhliches Hallo alles ändern kann

Tag 4

Schon beim Umziehen habe ich gemerkt: das wird heute nicht so easy. So war es dann auch. Pust. Schnauf. Hechel. Gut, dass mich diesmal meine Tochter Marlene begleitet hat. Meine Challenge ist anscheinend ansteckend . Ich bin nicht mehr allein unterwegs. Die nackten Laufzahlen: 4,5 km und 54 Min. Diesmal vier Stopps.

Ort meiner Berichterstattung heute: Das Hockeystadion, das etwas vor dem Olympiastadion liegt und natürlich auch zu den Spielen 1936 errichtet wurde.

Lustigerweise wurde meine schnaufige Laufkonzentration schon frühzeitig jäh unterbrochen, als mir eine Radfahrerin – auf der falschen Seite fahrend, aber geschenkt – entgegen kam und mir ein f r ö h l i c h e s Hallo zurief. Das brachte mich völlig aus dem Konzept. Ich fiel fast hin und musste mich erst mal sammeln.

Ein Gruß? Am Morgen? In Berlin? Von einer Radfahrerin? Das waren gleich vier Unwahrscheinlichkeiten auf einmal.

Kurz zur Erklärung: In Berlin grüßt man sich selbst dann nicht, wenn man schon Jahre lang in derselben Straße wohnt oder gar im selben Haus. Gut, es gibt Ausnahmen. Aber die sind meist zugereist. Grüßen ist hier total uncool. Nachbarn, die ich schon über 16 Jahre kenne, senden mir – und auch anderen – keine freundlichen Zeichen der nachbarschaftlichen Wahrnehmung und schon gar keinen Gruß. Ich mache mir immer einen Spaß draus und grüße provokativ und freundlich weiter. Man weiß ja nie. Ich bin wahrscheinlich eine echte Zumutung für meine Ur-Berliner-Umgebung.

Die denken bestimmt, wenn sie mich sehen: „Oh nee, da isse wieder, die Grüßtante aus Westdeutschland.“ So nannte man im „alten“ West-Berlin (also vor dem Mauerfall) alle, die nicht aus Berlin kamen. Egal ob sie aus Bayern, Hamburg oder Niedersachsen waren. Das nahm der Berliner nicht so genau. Hat ihn vermutlich auch nicht interessiert. Aber das ist nur eine persönliche These.

Kleine Randnotiz: Einige habe ich schon geknackt und grußtechnisch niedergerungen. Die überraschende „Freundlichkeitsattacke“ hat mir noch Tage später ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert.

Die „Wohnmaschine“

Tag 5

Heute lief alles drunter und drüber. Meinen „9Uhr-Walk“ konnte ich nicht antreten. Termine, Termine, Termine. Erst um 13 Uhr wurde es langsam ruhiger. Dann gab es aber auch kein Halten mehr und rein in die Laufklamotten.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen, finde ich: Distanz: 5,3 km (Ja, ihr habt richtig gelesen (!)). Dauer: 1 Stunde 10 Min. (könnte besser sein, aber hei, ich bin über 5 km gewalkt). Jetzt zu dem, was ich mir als Highlight für meinen Walk überlegt hatte.

Denn schon oft hab ich ein sehr ungewöhnliches Hochhaus in meiner unmittelbaren Umgebung bemerkt. Mein Mann hatte mal irgendetwas von einer Bauausstellung in den 50er Jahren gemurmelt, aber richtig zugehört habe ich nicht. Sorry, Schatz! Also musste ich jetzt nachsitzen und mich schlau machen.

Dieses Gebäude wurde vom Schweizer Architekten Le Corbusier anlässlich der Bauausstellung 1953 entworfen und zwischen 1956 und 1958 erbaut. Er und andere Architekten (wie zum Beispiel Pierre Vago und Walter Gropius) waren angetreten, um der Wohnungsnot der Nachkriegszeit entgegenzuwirken und die Bautradition der 20iger Jahre wieder aufleben zu lassen.
Der Wohnkomplex von Le Corbusier, der Stadt in der Stadt, nennt sich übrigens „Wohnmaschine“. Ein echtes Baudenkmal ist es inzwischen auch. Wenn ihr euch das mal näher ansehen möchtet, könnt ihr auch Führungen anmelden. Na ja, jetzt wohl nicht, aber nach der Zeit mit dem großen C.

Sechs Jahre her – Mein letzter Lauf

Tag 6

Als ich um kurz vor neun in mein Laufshirt schlüpfte, überkam mich ein wenig Wehmut. Vor fast sechs Jahren hatte ich an meinem letzten „Frauenlauf“ teilgenommen. Distanz 10 km. 1 Stunde und 25 Minuten hatte ich dafür gebraucht.

Das würde ich zur Zeit nicht ansatzweise schaffen! Dennoch: Ich bin eine Ausdauersportlerin und gehe in diesem Geiste an die neue Aufgabe heran. Eigentlich an jede. Ich bleib dran. Das Ziel sind 5 km ohne Pause gehen und vor allem ein verbessertes Lungenvolumen. Luft, Luft, Luft! Aber das wisst ihr ja bereits.

In meinem Hinterkopf ploppt die künftige Teilnahme an einem Lauf aber immer wieder hoch. Entschuldigt, aber ich brauche einfach eine Perspektive, ein Ziel, auf das ich hinarbeiten kann. Auch wenn es, wie heute, kein so guter Lauftag war (Distanz: 4,3 km, Zeit: 56 Minuten und diverse Schnauferchen), lasse ich mich nicht beirren.

Das Auf und Ab kennen wir doch alle. Das Leben und die Leistungskurve sind nicht immer gradlinig, gehen nicht immer steil nach oben.
Achtung, jetzt wird es philosophisch: Lebensläufe ohne Ecken und Kanten fand ich allerdings schon immer höchst verdächtig und ehrlich gesagt auch ein wenig langweilig.

Beim Thema Gesundheit würde ich mir gerne weniger Schussfahrten wünschen. Aber gut: Mit Training, Ausdauer und Willenskraft kann man viel erreichen. Das weiß ich. Meine Tochter Marlene rief mir bei meinem letzten Halbmarathon anfeuernd zu: „Mama, du schaffst das! Der Schmerz geht, aber der Stolz bleibt.“ Das gab mir einen richtigen Push. Und was soll ich euch sagen, ich kam 15 Minuten früher ins Ziel, als beim ersten Mal.

Es geht auch kleiner: Als ich nach der Transplantation durch den kleinen Park lief, der heute meinen routinemäßigen Abschluss bildet, habe ich jede Bank sehnsuchtsvoll erwartet. Ganz unter uns: Es gibt sehr viele Bänke in diesem Park. Inzwischen gehe ich locker an jeder Bank vorbei. Ich versetze sie (Kicher). Das macht mich stolz.

Der nächste Lauf muss noch warten, die Bänke aber auch.

Zum Schluss noch ein Link für Atemübungen von der lieben @birgitmuller7 https://youtu.be/0n3gLiA-fZo. Danke dafür.

Osterfeuerwerk im Vorgarten – ein Iraner im Dekofieber

Tag 7

Bevor ich euch von einem weiteren „Sightwalking-Highlight“ berichte, schnell mein Report zur Laufleistung. Wetter: extrem windig. Laufgefühl: sehr schräg, da quasi dauerhaft in vorgebeugter, gegen den Wind anlaufender Körperhaltung ankämpfend. Distanz: 4,7 km. Zeit: 1 Stunde (auf den Punkt).

Mein Kiezstopp am Samstag: Gestern beim Nachrichtenschauen traute ich meinen Augen kaum. In meinem Kiez gibt es eine Hausgemeinschaft, die jedes Jahr den Vorgarten mit Plasteeiern und Figuren schmückt. Das hat inzwischen Ausmaße angenommen, die sich sehen lassen können. Über 5.000 Eier und Figuren. Wer kam auf die Idee? Ein Taxifahrer iranischen Ursprungs. Erstaunlich, oder? Ich hätte was anderes erwartet. Immer am 20. März – dem Neujahrstag im Iran – geht es los mit der Deko.

Ja, die lieben Erwartungen. Wie oft machen die uns einen Strich durch unsere geistige Rechnung der Stereotype und Vorurteile. Dem österlichen Gartengestalter ist das völlig schnuppe. Er findet es halt schön und hat alle mit seinem Dekofieber angesteckt. Da die Lagerung, die Kapazitäten seiner Wohnung übersteigt, hat es sich kurzerhand weiteren Stauraum angemietet.

Ich find´s einfach irre und irgendwie herzerwärmend! Jeder, der hier vorbeigeht, hat ein Lächeln auf den Lippen und die Handykamera in der Hand, mindestens die.

Nächster Halt:
Zwischen Ruhrgebiet und Münsterland

Tag 8


Die Fakten wie immer zuerst: Wetter: windig aber sonnig, wunderbare Luft. Laufgefühl: beschwingt und locker. Distanz: 5 km (YES!). Zeit: 1:02).

Diesmal bin ich nicht in Berlin, sondern im Ruhrgebiet (schon Münsterland) unterwegs. Mein Osterplan erfuhr – um mit Loriot zu sprechen – eine Abweichung.
Ich laufe jetzt hier weiter. Die Location: Die Eisenhütte Westfalia, war ein wichtiger Arbeitgeber in der Kleinstadt Lünen, in der ich aufgewachsen bin. Ich dachte bis eben, dass es sich bei dem Gebäude, vor dem ich in meinem Filmchen von heute stehe, um die alte Waschkaue handelt (dort zogen sich üblicherweise die Bergarbeiter um, bevor sie einfuhren, „Untertage gingen“ und das „Schwarze Gold“ hochzuholen). Aber nein, das ist die alte Kantine der Eisenhütte. Peinlich. Mein alter Redaktionsleiter hätte mir den Kopf abgerissen, wenn er mitbekommen hätte, wie schlecht ich recherchiert habe. Oder besser gesagt, nicht recherchiert habe. Ich hatte einfach gedacht, ich weiß Bescheid. Oder wie der Berliner sagt: „Kenn ick.“

Dieses „Ich-weiß-Bescheid-Syndrom“ kann wirklich gefährlich werden. Hand aufs Herz, wie oft haben wir schon gedacht, zu wissen, was wir machen müssen oder worauf bestimme Symptome hindeuten. Wir brauchen kein Studium, wir schauen ja Gesundheitssendungen. Ja und? Was soll daran schlimm sein? Das kann falsche Therapieentscheidung nach sich ziehen. Denn in der Annahme, den vermeintlichen Durchblick zu haben, fragen wir nicht richtig nach oder ziehen die falschen Schlüsse. Bitte tut das nicht! Teilt euch immer mit und fragt, den ÄrztInnen ein „Loch in den Bauch“ – selbst wenn ihr denkt, ihr wisst alles.

Woher i c h das alles weiß? Aus dem Interview mit Martina Preisler. Hört da mal rein: https://www.zellenkarussell.de/folge-2-teil-2-der-krebs…/

Aber: Wisst ihr, was ich meine? Habt ihr so eine Situation schon einmal erlebt und dann verdutzt kommentiert: „Ach so ist das, das wusste ich gar nicht. Ich dachte immer …“. Ich laufe jedenfalls morgen weiter.

Ach, ich stehe übrigens vor einem der unzähligen Kriegerdenkmale (1914-1918) gegenüber der ehemaligen Eisenhütte.

Heiliger Bimbam!

Tag 9

Meine Güte, bin ich heute zerknautscht losgelaufen! Ich war völlig gerädert. Trotzdem, ich habe mich auf den Weg gemacht. Hab ja ´ne Challenge.
Das erstaunliche war das Ergebnis. Bester Walk bisher! 5 km in 59:48 Minuten. Ich bin total happy. Da denkst du erst: das wird nüscht und dann das. Das mich diese Herausforderung körperlich fordern würde, war von Anfang an eingepreist. Dass ich aber – quasi im Vorbeigehen – so viel Neues erfahre, weil ich euch keinen Quatsch erzählen möchte und die Dinge ran zoome, erstaunt und freut mich gleichermaßen. Eine verdammt gute Achtsamkeits- und auch Glücksübung. Eine dreidimensionale Aufgabe sozusagen. Für Körper, Geist und Seele. Wer hätte das gedacht?
Am Tag 9 habe ich eine Station im Münsterland angepeilt. Denn meine Heimatstadt ist zweigeteilt: die eine Seite liegt im Ruhrgebiet und die andere im Münsterland. Zwei Welten. Fast wie in Berlin, nur anders und vor allem kleiner. Der Ort meines heutigen Glücksmomentes ist die Antoniuskapelle in der Bauernschaft Langern.
1. Kannte ich vorher ihren Namen gar nicht genau. Sie hieß bei mir immer nur „die Kapelle“.
2. Wusste ich nicht, dass sie fast 650 Jahre alt ist.
Und 3. Hatte ich keinen Schimmer vom heiligen Antonius, dem Schutzpatron der Bauern. Ihm wird das Attributstier (hört, hört) Hausschwein (!) zugeordnet. Ich krieg mich nicht ein – lach! Denn in der Tat, hier gibt es reichlich Schweinebauern.

Morgen geht es weiter. Ich muss noch überlegen, was ich euch zeigen möchte. Aber: Macht doch auch mit und erkundet Orte, Plätze Seen, Gärten, Gebäude und was es da noch so in eurer Nähe gibt. Es macht einfach Spaß und raus kommt ihr auch noch. Walk and see.

Typisch, Westfalen

Tag 10

Vor malerischer Kulisse und der Sonne im Rücken, laufe ich meine inzwischen zehnte Strecke. Meine Atmung hat sich für mein Gefühl sehr verbessert. Insgesamt stelle ich fest: es tut sich was. Das macht mich glücklich. Distanz heute 4,8 km, durchschnittliche „Geschwindigkeit“: 12:54 ;-(.

Thema des Tages: Die Westfalen*innen und ihre Art miteinander zu kommunizieren.
1. Beispiel: Wie geht es dir? Die Unterhaltung zu diesem komplexen Thema geht in diesen Breiten ungefähr so: A fragt: „Und?“ B sagt „Muss.“ Dann folgt eine längere Pause des sich Sammelns, bis schließlich B noch hinterherschiebt: „“Un selbs?“ (Man möchte ja nicht unhöflich sein. Klar.) Woraufhin postwendend die ausführliche Antwort lautet: „Muss.“ Dann grüßen beide kurz und gehen ihrer Wege. Es war ja auch alles gesagt.
2. Beispiel: Anteilnahme und großer Ausdruck von Sorge am gesundheitlichen Befinden des anderen wird ungefähr so kundgetan: „Boah, Mensch, watt siehs´e Scheiße aus. Da musse watt tun.“
3. Beispiel: Gastfreundschaft: „Setz dich, Stühle kommen gleich.“ Dieser Satz wurde im Hause meines damaligen Freundes oft bemüht (kicher). Als, diesem Grundsatz folgend, der Vater eben jenes Freundes eines schönen Tages den Zeugen Jehovas die Tür öffnete, um ihnen zu sagen was er von ihrer „Bibelkunde“ so hielt, ließ er sie erst von Nächstenliebe reden, um ihnen dann die Gelegenheit zu geben, diese auch zu zeigen. „Ja, dann kommen Sie mal rein. Hier muss noch gespült, gesaugt und geputzt werden.“ Ich lach mich heute noch schlapp darüber. Überflüssig zu erwähnen, dass „die Truppe“, wie „Papa-Kalle“ sie nannte, nie wieder kam. Ich liebe diese direkte, pointierte Art, sie hat mich geprägt.

Die Quittung

Tag 11


Das musste ja so kommen! Ich habe mal wieder überzogen. Gestern bin ich nicht nur meine Runde gewalkt, sondern musste danach noch eine kleine 20km lange Radtour mit meinem Sohn machen.

Die Quittung kam dann heute Morgen. Mit einem Körpergefühl einer 90ig-jährigen quälte ich mich aus dem Bett und saß völlig matt vor einem großen Pott Kaffee. Der vermochte es allerdings auch nicht, meine Lebensgeister zu wecken.
Konsequenz: kein Walk, keine kleine Runde an der Sonne. PAUSE.

Trotzdem: Mein zweiter Name lautet ja
F L E X I B I L I T Y. Daher: Rein ins Auto und ab zur Zeche Gneisenau. Ich wollte euch ja unbedingt noch eine echte Zeche zeigen, bzw. das, was davon übrig ist. Das Bergwerk Gneisenau liegt in Dortmund-Derne und wurde bereits 1985 geschlossen. Jährlich förderte eine Belegschaft von ca. 2.500 Arbeitern über
3 Millionen Tonnen Kohle. Eine beeindruckende Zahl. Der Förderturm, vor dem ich dort stehe, ist der Personenaufzug für die „Kumpels“.

Morgen geht es dann erholt weiter. Ich vermisse meine neue Routine schon ein wenig, aber wenn mein Körper NEIN sagt, habe ich inzwischen gelernt, besser auf ihn zu hören.

Geht es euch manchmal auch so? Kaum ist mehr möglich, gleich wieder übertreiben. Kennt ihr das auch?

Deine Mannschaft(en)

Tag 12

„Zwei Tage war das Häschen krank, jetzt läuft es wieder, Gott sei Dank.“ Na ja, ganz so schlimm war es nicht, aber die kleine Pause war wichtig und aus einem Tag wurden zwei.
Immerhin habe ich 5 km zurückgelegt. Dauer: 1 Stunde. Und k e i n e Schnauferchen.

Woran niemand im Revier vorbeikommt, ist der Fußball. In Dortmund natürlich Borussia Dortmund. Da ich meine ersten Lebensjahre direkt neben dem „Westfalenstadion“ verbracht habe, bin ich dieser Thematik besonders verpflichtet. Viele fragen sich ja, was diesen Verein so speziell macht. Die Antwort ist simpel: Die „Schwarz-Gelben“ sind für viele Menschen im Pott Heimat und Familie. Er steht in der Tradition der Werte, die hier schon immer eine große Rolle gespielt haben: Freundschaft und Zusammenhalt. Das war jedem Bergmann heilig, eigentlich war es sogar mehr, das „Sich-aufeinander-verlassen-können“ war eine Art Lebensversicherung für die Kumpels, die im Schacht malochten.

Und damit schlage ich ganz elegant den Bogen zu meiner heutigen Botschaft: Wir brauchen alle eine gute Mannschaft, eine innere und eine äußere. Also die Unterstützer*innen und die eigenen Ressourcen. Letztere vergessen wir oft, gerade, wenn uns Ängste plagen (Link zu meinem Beitrag über den Umgang mit Ängsten findest du in der Bio). Beide Mannschaften helfen uns leichter durch Krisen zu kommen, deshalb sollten wir sie uns unbedingt bewusst machen und vor allem nutzen.

Wer oder was hilft dir, leichter durch die Zeit zu kommen? Was sind deine Strategien? Was macht deine Mannschaft aus?

Weiter lesen kannst du hier. Da geht es darum, was Bewegung alles kann und was du alles (auch zu Hause) tun kannst.

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